Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Enuresis und Harnwegsinfekte , Abbruch des "Pieselpiepser - Experiments" wie geht es weiter?

Caotina 18.08.15 [23:33]

Hallo,
ich brauche mal einen objektiven Rat!

Meine Tochter (in drei Wochen 7) ist nächtliche primäre Bettnässerin - jede Nacht.

Zur Vorgeschichte: Sie hatte bis jetzt 12 unkomplizierte Fieberkrämpfe und leidet an chronischen Harnwegsinfekten. Diese sind leider zu manchen Zeiten nur unter dauerantibiose (nitrofurantoin) in den Griff zu bekommen. Momentan ist sie allerdings ohne Antibiose und seit ca 3 Monaten ohne HWI)

Das Einnässen ist bei ihr primär. Ich kann die trockenen Nächte an zwei Händen abzählen. Tagsüber ist sie lange Zeit zu 95% trocken gewesen, dann passierten immer mehr Unfälle - welche im Zusammenhang mit den HWIs gesehen wurden. Inzwischen beobachte ich tagsüber eine vermehrte Dranginkontinenz. Manchmal nur nasse Unterhosen und manchmal plötzlich alles entleert. Wir wirken dem entgegen, in dem wir sie regelmäßig (alle 2 Std) zur Toilette schicken. Manchmal muss sie dann nicht und hat 5 min später eine nasse Hose - sie ist allerdings sehr gewissenhaft und ich nehme ihr ab, dass sie in dem Moment wirklich das Gefühl hat sie muss nicht und nicht einfach nur schnell weiterspielen möchte. Sie selbst WILL dieses Problem in den Griff bekommen.

An Diagnostik ist bisher gelaufen: neben mehreren Ultraschalluntersuchungen, einer MCU (Befund minimale Cyste - die keine Ursache für die HWIs sein soll), ein Uroflow OB, ein pieselprotokoll, welches ebenfalls unauffällig bezüglich der Mengen war.

Wir haben es 2,5 Wochen mit dem Pieselpiepser versucht ( ich weiß, viel zu wenig ...) . Meine Tochter war zunächst auch sehr motiviert. Problem: Sie ist - wie schon immer - so gut wie nicht erweckbar. Ich habe gelesen, dass es nur etwas bringt, wenn sie voll wach ist. Das bekommen wir nur hin, wenn wir über 10-15 min alle Register ziehen und evtl. Kalte Waschlappen zu Hilfe nehmen würden. Auch wenn ich sie nur Halbwach zur Toilette begleite (sie erinnert sich dann nicht), ist sie am Morgen völlig "durch den Wolf gedreht". somit unterbrachen wir die Therapie, da es sie seelisch mehr belastete als das eigentliche Einnässen.(sie trägt sonst nachts eine höschenwindel). Zu dem hatte sie immer mehr Probleme sich in der Schule zu konzentrieren. Daher habe ich mich zunächst für den Abbruch entschieden.

Nun bin ich etwas ratlos. Meine Tochter möchte natürlich, dass "es aufhört" und ich möchte sie natürlich dabei unterstützen. Die Frustration bei nassen Hosen tagsüber bleibt ihrerseits natürlich nicht aus. Sie ist sich der Abläufe in ihrem Körper bewusst und weiß, dass es nicht ihre "Schuld" ist, aber das hilft ja letztendlich nicht wirklich weiter, wenn man die nasse Windel loswerden möchte.

Aus therapeutischer Sicht war es sicher nicht sinnvoll das Piepserexperiment " abzubrechen, aber ich konnte auch nicht mehr mit ansehen, wie geschlaucht sie war zudem habe ich sie auch fast nie wirklich erweckt bekommen.
Wie gehe ich weiter vor um sie zu unterstützen? Pieselpiepser doch einmal 4 Wochen durchziehen?

Der Urologe sagte lapidar man soll abwarten, sein Kind mache auch noch öfter mal nachts in die Hose und das sei ja schon 10 - öfter mal nachts ist ja etwas anderes als jede Nacht. Meinem kleinen Sohn 4 passiert das natürlich auch noch öfter obwohl er meistens nachts trocken ist. Aber ich möchte ja nicht, dass wir evtl aus "nichts tun" das ganze ins Jugend und Erwachsenenalter schleppen ...

Momentan fühle ich mich irgendwie schlecht beraten ...

Wie verfahre ich weiter?

Liebe Grüße,
caotina




Gabriele Grünebaum 21.08.15 [10:50]

Hallo Caotina, Sie bemühen sich doch sehr, das Problem in den Griff zu bekommen und sollten daher kein schlechtes Gewissen haben. Ein ausgeschlafenes Kind ist für einen gesunden Tag sehr wichtig. Es kann sich besser in der Schule konzentrieren, ist im Straßenverkehr aufmerksamer, kann besser lernen ... usw.
Versuchen Sie mit (mindestens) einem der behandelnden Ärzte ein solches Vertrauensverhältnis aufzubauen, dass Sie all Ihre (berechtigten!) Fragen und Sorgen mit ihm besprechen können. Manchmal dauert es etwas länger, bis man die richtige Therapie gefunden hat, und manchmal braucht es einfach auch Zeit.
Ihre Tochter ist ja grade mal 7 - da kommt es tatsächlich auch normalerweise noch hin und wieder (!) mal vor, dass Kinder spontan einnässen. Dennoch sollte man in diesem Alter nicht auf Dauer einfach nur abwarten. Die Aussage, dass der 10jährige Sohn des Urologen noch einnässt und er das "normal" findet, ist merkwürdig.
Suchen Sie ggf. einen engagierteren Kollegen ...
Übrigens wenn Sie Ihre Tochter alle zwei Stunden auf die Toilette schicken (das ist sehr hilfreich), sollte das Kind auch gehen, wenn es glaubt, es müsse nicht. Genau darum geht es ja. Dass es die Blase regelmäßig entleert, auch wenn es rechtzeitig keinen Reiz empfindet.
Mit Ihrem Engagement und ein wenig Glück werden Sie den richtigen Arzt finden und das Problem gut in den Griff bekommen.
In welcher Gegend wohnen Sie? Ggf. kennen wir in der Nähe einen engagierten und erfahrenen Arzt.
Alles Gute
G.Grünebaum