Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten
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Und doch wieder Tabletten?

murakami 01.07.11 [22:40]

Hallo zusammen,

ich hatte ja schon ein paar Mal hier geschrieben und möchte mich nun wieder mit der Bitte um Rat an das Forum hier und Frau Grünbaum wenden.

Wir haben unserem Sohn fast ein Jahr Mictonetten gegeben und es hat sich bei ihm keine wirklich Besserung eingestellt. Es gab ja anfänglich eine Besserung. Zur Einschulung war es dann aber wieder vorbei und das hält sich auch nach wie vor. Der letzte Termin bei der Pipisprechstunde im EVK in Hamm war für uns so unbefriedigend (ständig anderer Arzt und andere Meinungen; unerträgliche Untersuchungssituation etc.), dass wir gemeinsam mit meinem Stiefvater - praktischer Arzt - und einer Kinderärztin/-neurologin entschieden hatten, die Mictonetten wieder auszuschleichen, da die Meinung war, dass es dann wohl doch viele psychische Gründe hat. Außerdem leidet mein Sohn sowieso unter Konzentrationsproblemen, die ja teilweise durch die Mictonetten noch verstärkt werden können. Das wollten wir ihm erspraren. Im "Pipiverhalten" war dann auch kein deutlicher Unterschied während und nach dem Ausschleichen festzustellen.

Das Ausschleichen ist nun auch schon fast wieder ein halbes Jahr her. Nun hat er aber immer noch Probleme und ich bin selbst inzwischen der Meinung, dass es bei ihm wohl eine Kombination aus körperlichen und seelischen Ursachen hat, dass es nicht so recht klappt. Ich bin dann also doch wieder zu einem niedergelassenen Urologen gegangen. Dieser hat uns nun Oxymedin verschrieben (Dosierung: 1-0-2) für tagsüber und Nocutil (Dosierung: 1) für die Nacht. Außerdem haben wir ein Heft mitbekommen, in dem mein Sohn Aufkleber kleben darf, wenn er trocken bleibt. Beim Durchlesen der Beipackzettel ist mir dann erstmal wieder ganz anders geworden. Außerdem war ich etwas irritiert, dass der Arzt direkt zwei Medikamente verschrieben hat, statt erstmal nur das Tagesproblem zu bearbeiten. Mein Sohn muss sowieso schon jeden Tag ein Schilddrüsenmedikament einnehmen wegen einer Schilddrüsenunterfunktion - und jetzt wieder und noch mehr Tabletten. Ich muss sagen, dass mir das schwer fällt.

Wer hat denn hier Erfahrungen mit Oxymedin? Und ist es wirklich nötig, direkt beide Medikamente zu geben? Soll ich evtl. noch eine Drittmeinung einholen? So richtig gut aufgehoben fühle ich mich bei diesem Urologen auch nicht. Er hat wenig erklärt und ich musste ihm alles aus der Nase ziehen.

Danke für Rückmeldungen und viele Grüße
murakami

Gabriele Grünebaum 01.07.11 [23:10]

Hallo murakami, Oxymedin ist auch ein Medikament (wie die Mictonetten) zur Entspannung der Blasenmuskulatur und soll wahrscheinlich helfen, die Tagessymptome in den Griff zu bekommen. Das Nocutil enthält den Wirkstoff Desmopressin und wird u.a. gegeben, wenn das Kind nachts zuviel Urin bildet.
Es gibt Ärzte, die die Tages- und die Nachtproblematik gleichzeitig angehen wollen - das kann im Einzelfall auch Sinn machen.
Wie häufig geht Ihr Sohn denn tagsüber auf die Toilette und wie ist die größte Urinmenge, die er tagsüber in die Toilette macht?
Das sind alles wichtige Informationen, die für eine gezielte Therapieentscheidung notwendig sind.
Sie sollten sich vom behandelnden Arzt noch mal detailliert erläutern lassen, welchen Plan er mit dieser Kombinationstherapie bei Ihrem Sohn verfolgt. Wenn er nicht in der Lage ist, Ihnen in Ruhe alle Fragen zufriedenstellend zu beantworten, macht es Sinn, einen anderen Arzt aufzusuchen. Nur wenn Sie von der Sinnhaftigkeit der Therapie überzeugt sind, können Sie diese ja auch voll mitverantworten und mit tragen.
Wie sieht den das aktuelle Blasentagebuch aus? Ist da ggf. noch was an der Trinksituation zu verbessern?
Herzliche Grüße
G.Grünebaum

pacal 02.07.11 [12:55]

Hallo murakami,

mein Sohn hat beim Urologen auch Tabletten für tagsüber und zeitgleich für nachts bekommen. Nachts war mein Sohn dann zu erst trocken. Danach erst bekam er das trocken werden tagsüber, auch in den Griff. Allerdings hat er nach wie vor tagsüber noch deutlich feuchte Hosen. Nicht tägl., aber an fast jeden 2 oder 3. Tag. Nachts ist er komplett trocken.
Mein Sohn bekam für tagsüber Oxybutinin (hat den gleichen Wirkstoff, wie Oxymedin) und für nachts Nocutil.

Gtuß, pacal

murakami 02.07.11 [19:53]

Vielen Dank für die schnellen Antworten.

Das Blasentagebuch von drei Tagen sieht recht unterschiedlich aus. Am ersten Tag ist mein Sohn 6-mal auf die Toilette gegangen, am zweiten Tag 11-mal und am dritten Tag 17-mal - teilweise sehr kurz hintereinander. Die größte Urinmenge war 100 ml. In der Regel kommen 75 ml raus. Nachts trägt er eine Windel. Die ist meist pickepacke-voll (180g bis 280g). Er ist 7 Jahre alt. Im Blasentagebuch fällt außerdem auf, dass er abends mehr trinkt als morgens. Zu Hause trinkt er vor allem zu den Mahlzeiten. In der Schule gibt es morgens Trinkpausen mit Wasser und Kakao. Da trinkt er mehr. Häufig will er auch abends im Bett noch etwas trinken. Der Arzt empfahl, dass wir das Trinken mit dem Abendessen beenden. Das fällt ihm aber sehr schwer.

Welche Erfahrungen hast Du denn mit der "Doppelmedikation" gehabt, Pacal? Und können wir das Medikament ein paar Tage probeweise geben und schnell wieder absetzen, wenn wir Nebenwirkungen bemerken?

Außerdem habe ich gelesen, dass man auch erstmal mit einem Verhaltenstraining anfangen kann - also Trinken und Pipimachen nach Plan und dass ja außerdem die psychische Belastung auch eine Rolle spielen kann. Die ist bei meinem Sohn auf jeden Fall gegeben (Trennungskind, sehr strenge Lehrerin, Schulprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten).

Danke für Ihre Unterstützung!
Der Arzt ist leider recht wortkarg und tippte hauptsächlich in seinen Computer. Ich hatte den Eindruck, dass ihm meine Fragen eher lästig sind. Insofern bin ich nicht zufrieden.

Gabriele Grünebaum 03.07.11 [16:51]

Hallo murakami, die Tatsache, dass Ihr Sohn an einem Tag 11 und am anderen 17 mal auf die Toilette geht und dass er nie mehr als 100ml Pipi macht, ist auffällig und scheint behandlungsbedürftig.
Beide Medikamentengruppen scheinen hier angebracht zu sein. Man kann zunächst die Tagesproblematik angehen und später erst die Nachtproblematik - oder, das tun einige Ärzte auch, beide Medikamente gleichzeitig verabreichen.
In jedem Fall sollten Sie aber die Einnahme mit dem Arzt besprechen. D.h. wenn Sie absetzen wollen, besprechen Sie dies mit ihm und teilen ihm mit, warum Sie das tun.
Sie sollten in jedem Fall darauf achten, dass Ihr Sohn richtig trinkt. 40-50ml pro kg Körpergewicht ist in etwa die Menge, die Kinder trinken sollten - hievon 3/4 vor 17 Uhr.
Meist ist es so, dass wenn die Kinder diese Menge bis 17 Uhr getrunken haben, sie auch kaum noch erheblichen Durst am Abend haben. Vielleicht können Sie morgens eine Trinkflasche mit der Menge vorbereiten, die er bis zum Nachmittag leer haben sollte. Und dann schaun Sie mal, ob er abends im Bett noch so viel Durst hat.
Übrigens können Sie dem Arzt ruhig sagen, dass sie sich schlecht fühlen, wenn er nur in seinen Computer tippt und sich keine Zeit für Sie nimmt. Vielleicht wird der sich Ihnen dann mehr widmen.
Ich drücke die Daumen
G.Grünebaum