Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten
Homepage zertifiziert von der Stiftung Gesundheit

Zerti­fi­ziert
von der
Stif­tung
Ge­sund­heit

Wir befolgen die HONcode-Prinzipien der Health On the Net Foundation Wir befolgen
die HON­code-
Prin­zi­pien.
Hier über-
prüfen
.
 
ForenChatServiceArztsuchePresseÜber uns

Start mit Minirin Schmelztabletten - bin enttäuscht!

mäusemama 02.02.12 [09:16]

Hallo Frau Grünebaum, hallo liebe Forenleser,
ich möchte uns gerne vorstellen. Mein Sohn 7 1/2 Jahre hatte erst mit 6 1/2 Jahren erste leere Windeln in der Nacht. Tagsüber waren wir mit knapp 3 Jahren trocken mit gelegentlichen Ausrutschern, weil das Spielen interressanter war und deshalb keine Zeit zum Toilettengang war icon_smile.gif. In der letzten Zeit hatten wir pro Woche ca. 3 volle Windeln. Nachdem ich auf Ihre Homepage gestoßen bin habe ich das Trinkverhalten meines Sohnes geändert. Bislang hat er immer sehr wenig getrunken (also nicht in regelmäßigen Abständen und war auch sehr wenig auf Toilette). Wobei ich sagen muß, dass ich selber eigentlich auch nicht alle 2-3 Stunden auf Toilette muß. (Ist das tatsächlich die Norm?). Nach diesem Versuch (regelmäßig trinken und aufs Klo gehen) war das Windelresultat noch schlimmer. Es waren noch mehr Windeln voll, bis zum Auslaufen sogar. Also habe ich für 4 Tage ein Blasentagebuch mit folgendem Ergebnis geführt:
Blasenkapazität 164ml, Trinkmenge täglich zwischen 710-930ml, Toilettenbesuche 4-8mal.
Mir wurde angezeigt, dass eine Urotherapie und eine Behandlung mit Desmopressin erfolgversprechend sein dürfte.
Deshalb versuchen wir jetzt so gut es geht regelmäßiger zu trinken und das vor 17 Uhr. Außerdem nimmt er seit 2 Wochen die Minirin Schmelztabletten 120 Mikrogramm. Folgendes Ergebnis: die Windel ist öfters voll als leer. Sie ist zwar nicht mehr so zum Überlaufen voll (Urin ist gelblicher und vielleicht "dicker") aber ich habe mir schon mehr davon versprochen zumal ich auf meinen Sohn mit Engelszungen eingeredet habe, dass er die Tabletten doch nehmen soll und er jetzt bald keine Windel mehr braucht. Ihm ist die abendliche Tablette lästig.
In der Packungsbeilage heißt es, dass sich Erfolge schon nach der ersten Gabe von Minirin einstellen können. Kann es auch zu einer Erstverschlimmerung führen? Oder bedeutet es in unserem Fall, dass wir nicht auf dem richtigen Weg sind? Wie lange macht eine Weiterbehandlung mit Minirin Sinn? Ab wann sollte es definitiv besser werden? Wir sind beide morgens wenn die Windel wieder voll ist sehr enttäuscht und momentan auch etwas hilflos.

Bei einem Kinderurologen waren wir wegen diesem Thema noch nie (bei einem normalen Urologen wegen eines Pendelhodens früher schon mal). Gibt es in unserem Raum (PLZ 78XXX) einen Kinderurologen den sie empfehlen können?

Wir haben noch eine 5jährige Tochter, die nachts auch noch nicht ganz trocken ist (Erste trocken Nachtwindeln mit 3 1/2). Macht es Sinn mit ihr parallel eine Therapie anzufangen oder sollten wir abwarten bis unser Sohn so weit ist?

Ich freue mich sehr auf eine Antwort.
Verschneite Grüße
Mäusemama

Gabriele Grünebaum 02.02.12 [22:50]

Hallo Mäusemama,
zuerst einmal: Kinder sollten optimalerweise tagsüber alle 2 bis 2,5 Stunden auf die Toilette gehen. Das gilt aber nicht für Erwachsene. Unsere Blasenkapazität ist größer und so können wir durchaus, auch wenn wir ausreichend trinken, länger einhalten.
Wenn die maximale Menge, die Ihr Sohn tagsüber Pipi macht, nur 164 ml beträgt, dann ist das ein Hinweis darauf, dass sein Blase möglicherweise nicht altersgerecht entwickelt ist. Die Blase eines 7-jährigen Kindes sollte (7+1)*30=240ml betragen. Die Blasenkapazität Ihres Sohnes liegt etwa 30% darunter. Das sollte sich ein Arzt dann doch noch mal anschauen.
Die Trinkmenge sollte pro kg Körpergewicht etwa 40-50ml pro Tag betragen.
Je nachdem wieviel Urin Ihr Sohn nachts im Verhältnis zur Tagesmenge produziert, kann Desmopressin angeraten sein. Das muss man aber immer mit dem behandelnden Arzt besprechen. In der Tat wirkt Desmopressin meist recht schnell.
Wenn mit der 120 Mikrogramm-Schmelztablette nach einer Woche bis 14 Tagen kein Erfolg zu verzeichnen ist, kann der Arzt die Dosis auch verdoppeln.
Interessant wäre dann mal festzustellen, wie sich die Urinmenge in der Nacht verändert. Hierfür müssten Sie noch mal die Windeln wiegen und die erste morgendliche Urinportion (die normalerweise in die Toilette geht) messen und zum Windelgewicht (hier entspricht 1 Gramm = 1 Milliliter) hinzuzählen.
Frau Prof. Dr. med. Daniela Schultz-Lampel ist auf das Thema Enuresis spezialisiert. Sie ist zu finden im Klinikum Schwenningen und Fachärztin für Urologie.
Was die Tochter angeht, kann ein Blasentagebuch nichts schaden, um auch hier ggf. auf ein Trinkfehlverhalten aufmerksam zu werden.
Wir empfehlen auch immer bei Kindern ab dem vollendeten 5. Lebensjahr eine sorgfältige Diagnostik, damit nichts wesentliches übersehen wird, was für das Bettnässen verantwortlich sein könnte (Diabetes, Fehlbildungen o.ä.). Ob in diesem Alter eine Therapie beginnen sollte, müssen Sie individuell mit dem behandelnden Arzt besprechen.
Wenn das Kind oder/und die Eltern durch das Bettnässen gestresst und beeinträchtigt sind, ist eine frühe Behandlung sicher sinnvoll.
Alles Gute
G.Grünebaum