Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Oxybutynin, zu kleine Blase

Mama11 08.05.17 [14:09]

Hallo,

mein Sohn ist vor ein paar Wochen 6 Jahre geworden. Er war nur ca. 6 Monate im letzten Jahr tagsüber trocken, wobei er auch in diesen 6 Monaten immer mal wieder einen "Unfall" hatte. Nachts war er noch nie trocken. Der Urologe wollte aber bei so einem jungen Kind erstmal abwarten und ihm noch Zeit geben, was ich auch gut fand. Wir waren mit 5 Jahren zum erstmal bei Urologen, um organische Ursachen abklären zu lassen.
Da sich das Problem nach einem Jahr nicht gebessert hat, sich Leidsdruck bei ihm aufgebaut hat und er im Aug. eingeschult wird, haben wir jetzt Oxybutynin.
Wir haben schon ein Blasentagebuch und Protokolle geführt. Die Diagnose ist zu kleine Blasenkapazität und Dranginkontinenz. Er läuft ca. 15 mal am Tag zur Toilette und es geht dennoch viel daneben. Alleine mit Verhaltsänderungen sind wir nicht weitergekommen.

Jedenfalls geht er jetzt noch in den Kindergarten. Der Kindergarten geht bei uns nur noch ein paar Wochen und gerade bei den Erziehern bin ich sehr enttäuscht. In den letzten Wochen habe ich immer wieder das Gespräch gesucht, weil mein Sohn sich im Kindergarten unwohl fühlt. Mit seinem Einnässen wird dort nicht feinfühlig genug umgegangen, was letztlich zu seinem Leidsdruck beigetragen hat.
Ich habe jedenfalls nicht mehr so eine Motivation in den letzten ca. 7 Wochen noch ein Gespräch über das Medikament zu führen. Gibt es eine Informationspflicht für mich? Muss ich den Kindergarten über die Einnahme informieren? Außerdem habe ich in zwei Wochen die Einschulungsuntersuchung beim Gesundheitsamt. Ich weiß das bei den Untersuchungen nach der Trockenheit tagsüber und nachts gefragt wird. Bin ich verpflichtet dazu Angaben zu machen? Wer hat ein schulpflichtiges Kind, dass tagüber einnässt und wie macht ihr das in der Schule?

Mit den Tabletten haben wir erst angefangen, aber ich habe schon das Gefühl, dass es hilft. Er geht seit 2 Tagen deutlich weniger auf die Toilette und schein zu merken, wann er muss. Abends wenn er müde ist scheint es noch nicht zu funktionieren. Wir nehmen die Tabletten auch erst eine Woche. Hat hier noch jemand Erfahrungne mit dem Medikament? Ich habe keine Suchfunktion zum Forum gefunden, vielleicht habe ich die übersehen.

lg
Mama11


Gabriele Grünebaum 08.05.17 [22:37]

Hallo Mama11, es ist schon nicht verkehrt bei einem 6 Jährigen, der Tags und Nachts noch nicht zuverlässig trocken ist, eine sorgfältige Diagnostik durchzuführen. Wenn, wie bei Ihrem Sohn herausgekommen ist, dass er eine zu kleine Blase hat und eine Dranginkontinenz. Dies kann für die Tagesproblematik (=Inkontinenz) verantwortlich sein. Neben einer Urotherapie (Verhaltensänderung) ist in einem solchen Fall lt. Therapieleitlinie auch die Therapie mit einem Blasenentspannungsmedikament empfohlen.
Man behandelt bei Kindern, die eine Tag- und eine Nacht-Problematik haben, meist zuerst die Tagesproblematik. Insofern ensprechen die Empfehlungen Ihres Arztes denen der Therapie-Leitlinie.
Sie müssen niemandem Auskunft über die Medikation oder die Diagnosen geben. Es kann aber durchaus sinnvoll sein das zu tun. Appellieren Sie an die Erzieherinnen, Ihren Sohn bei seinen Toilettengängen ggf. zu unterstützen.
Bei der Schuleingangsuntersuchung macht es auch wenig Sinn, unehrlich zu sein. Hier geht's ja nur um Statistik. Ggf. werden die dortigen Ärztinnen Ihnen noch den ein oder anderen Tipp geben, aber da Sie ja in guter Behandlung sind, werden die Ärztinnen wahrscheinlich nur den Fragebogen entsprechend ankreuzen.
Wenn das Medikament gut anschlägt und Ihr Sohn richtig trinkt und nach Plan auf die Toilette geht, haben Sie gute Chancen, dass er die Tagesproblematik bald hinter sich hat.
Alles Gute
G.Grünebaum

Mama11 09.05.17 [08:29]

Hallo Frau Grünebaum,

danke für die Antwort.

Mein Sohn hat eine Uhr, die einmal die Stunde piept. Sofern es in der Umgebung nicht zu laut ist, geht er dann auf die Toilette. Vor dem Medikament hat aber selbst das nicht ausgereicht, weil er in einer Stunde oft mehrmals zur Toilette musste.
Sein Trinkverhalten ist ok, sowohl die Trinkmenge als auch die Verteilung. Nur manchmal vergisst er es zu trinken (wenn er aufgeregt ist, Ausflüge usw.). Da arbeiten wir noch dran, z. B. immer etwas trinken, wenn er zur Toilette geht funktioniert besser, als zu bestimmten Zeiten. Er hat einfach noch kein Zeitgefühl und kann die Uhr noch nicht lesen. Man kann auch meiner Meinung nach bei einem sechsjährigen nicht erwarten, dass er immer angepasstes Verhalten zeigt.

Gestern hat er zum ersten mal seit vielen Wochen keine Wechselwäsche im Kindergarten hängen gehabt, die Geruchsbildung in der Unterhose war minimal und die Windel hat heute morgen nur 40g gewogen. Dirket nach dem Aufstehen ist er zur Toilette gelaufen und hat eine größere Menge uriniert. Ich werte das mal als Erfolg. Unser Urologe behandelt zwar nur die Tagssymtome, meinte aber das er nachts wahrscheinlich durch die zu kleine Blasenkapazität nicht trocken ist. Ich habe über mehrere Wochen Windeln ausgewogen (ohne Morgenurin, weil das zu belastent war; mit Morgenurin machen wir nur für die Protokolle) und man konnte daran schon eine Tendenz erkennen. Die Urinmenge ist nachts bei ihm nicht hoch (zwischen 50 - 100 ml), wenn er am Vorabend Sport gemacht hat ist es etwas mehr, der Urologe vermutet er kann den Urin nicht speichern und in diesem Punkt wollte er die Therapie abwarten. Er hat uns geraten Ruhe zu bewahren, was mir aber oft schwerfällt.

Ich werde den Kindergarten erstmal nicht informieren. In habe in diesem Jahr alleine 7 Gespräche über Trinkverhalten und Einnässen geführt. Im letzten Jahr war ich auch mehrfach bei den Erzieherinnen und ich hatte sogar ein gemeinsames Gespräch mit der Gruppenleiterin und der Kindergartenleiterin. Ich bezeichne das als Beratungsresistent. Aber wie gesagt, wir haben nur noch ein paar Wochen, in Juni fangen die Ferien an.

lg
Mama11