Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Mit 6 Jahren tags und nachts einnässen trotz Tabletten

pipimaus 31.10.17 [15:42]

Liebes Experten-Team, liebe Mitleidenden,

meine Tochter ist im April 6 Jahre alt geworden und war eigentlich noch nie trocken.
Nachts trägt sie eine Windel, aber auch tagsüber haben wir 1-3 nasse Hosen.

Sie ist seit Dezember letzten Jahres in urologischer Behandlung. Die Tabletten (Mictonetten 1-0-1) haben gut angeschlagen, so dass sie fast täglich trocken war. Nach 6 Monaten (im Mai) sollten diese dann ausgeschlichen werden, aber so weit kam es nicht, denn es kam plötzlich der totale Einbruch und trotz gleichbleibender Dosis hatte sie kaum mehr einen trockenen Tag. Im August haben wir dann auf Oxybutinin (1/2-0-1/2) gewechselt, aber es blieb bei 2-3 trockenen Tagen pro Woche.
In der Regel merkt sie selbst nicht, wenn die Hose nass ist und spielt einfach weiter.
Zum Glück passieren die Unfälle meistens erst am späten Nachmittag, so dass sie die Schule größtenteils trocken übersteht.

Der Ultraschall ist unauffällig und beim letzten Pipi-Protokoll pinkelt sie meist so 120 ml, es können auch mal 170 ml sein.
Der Urologe ist mit der Urinmenge und den 2-3 trockenen Tagen pro Woche zufrieden und hat die Tabletten nun auf 1/2 pro Tag reduziert. Er geht er von einer Reifeverzögerung des Gehirns aus und meint, wir sollen einfach Geduld haben.

Kennt jemand das Phänomen, dass es mit Tabletten erst super ist und dann ein Einbruch kommt? Ist es sinnvoll die Dosis zu reduzieren?
Soll ich sie zur Ergotherapie anmelden um die Körperwahrnehmung zu schulen? Soll ich sie neurologisch untersuchen lassen, um eine Ursache für die "Reifeverzögerung" zu finden?

Was kann ich tun, um ihr zu helfen?

Kann mir jemand einen spezialisierten Arzt / Ergotherapeuten,..... im Landkreis Ludwigsburg / Stuttgart oder Böblingen empfehlen?

Vielen Dank für die Rückmeldung!


Gabriele Grünebaum 01.11.17 [13:35]

Hallo, 6-jährige Kinder nässen häufiger noch ein. Wenn es aber tags und nachts und so regelmässig passiert wie Sie beschrieben haben, dann sollte man schon etwas dagegen unternehmen und nicht einfach nur abwarten. Sie haben also das getan, was international empfohlen wird und Hilfe gesucht.
Man beginnt in der Regel bei einem Kind, das Tags und Nachts einnässt, die Tagesproblematik zu behandeln.
6 Jährige sollten eine Blasenkapazität von etwa [(Alter+1)*30 ] ==> 7*30=210ml haben.
D.h. wenn die Pipiportion Ihrer Tochter nur max. 170ml ist, scheint die Blase noch nicht altersgemäß entwickelt zu sein. Wie war denn die Blasenkapazität zu Beginn der medikamentösen Therapie?
Allein mit Medikamenten scheint die Blase ja auch noch nicht ausreichend nachgereift.
Wichtig bei dieser Therapie ist auch die so genannte Urotherapie - bei der die Kinder (und Eltern) viel über die Blase, das richtige Trinken und Pipimachen lernen. Nur wenn das Trinkverhalten auch gut ist, kann die Blase sich entwickeln. Wenn Kinder zu selten und zu wenig trinken, wird es häufiger zu Problemen kommen.
Wenn es unter der Therapie zu deutlichen Rückschläge kommt, muss man versuchen, die Ursache zu finden. Nicht selten ist ein grippaler Infekt der Auslöser oder aber ein Rückfall in frühere Verhaltensmuster (=falsch trinken oder Aufschieben der Toilettengänge) oder äußere Anlässe (wie z.B. dreckige Schulkos, auf die die Kinder tagsüber nicht gehen wollen.
Man muss also genauch hinschauen. Dabei können gute Urotherapeuten helfen.
Es gibt in Deutschland zumehmend mehr Urotherapeuten. Wo, finden Sie u.a. auf der Internetseite http://www.urotherapie.de/
Eine neurologische Untersuchung ist i.d.R. zunächst nicht notwendig, wenn es keine anderen Gründe hierfür gibt.
Alles Gute
G.Grünebaum

pipimaus 01.11.17 [19:58]

Guten Tag Fr. Grünebaum,

vielen Dank für die Rückmeldung.
Vor der Medikamentengabe war die Urinmenge durchschnittlich bei ca. 60 - 75 ml. Die max. Menge weiß ich leider nicht mehr. Von dem her haben die Tabletten durchaus was gebracht. Wie kann man die Kapazität noch mehr steigern?
Trinkmenge und auch Zeit ist laut Urologe gut. Sie trinkt 600 - 800 ml über den Tag verteilt.
Wegen dem Rückfall im Mai haben wir uns natürlich auch Gedanken über die Ursachen gemacht - es gibt aber keine! Deswegen stehen wir ja vor einem Rätsel.
Auffallend ist, dass die nassen Hosen meistens erst ab 17.00 Uhr passieren. Da scheint die Konzentration nachzulassen, deswegen auch meine Überlegung bzgl. Ergotherapie. Hat jemand damit Erfolg gehabt?
Gerne würde ich eine Urotherapie mit ihr machen, leider ist kein Urotherapeut in der Nähe von Stuttgart / Ludwigsburg zu finden. Oder hat mir jemand eine Adresse?

Vielen Dank für Rückmeldungen und Tipps.