Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

MINIRIN-Nebenwirkungen?

astriderix 20.04.16 [22:14]

Hallo, mein Sohn (8Jahre) hatte so gut wie noch nie eine trockene Nacht (Es sei denn, wir wecken ihn 2 mal in der Nacht für den Toilettengang).. Bis jetzt haben mein Mann und ich die Enuresis entspannt gesehen, da wir selbst bis ca. 7 Jahre Bettnässer waren. Da nun aber das Thema Übernachten bei Freunden bzw. Klassenfahrten immer näher rückt, haben wir es zunächst 3 Monate mit Klingelhose versucht. Leider ohne Erfolg, denn wenn es klingelte, war das Bett immer schon nass, ohne, dass mein Sohn es bemerkte. Nun haben wir überlegt, es mit MINIRIN zu versuchen, haben aber starke Bedenken wegen möglicher Nebenwirkungen. Wie wird das Medikament vertragen? Wie oft treten Nebenwirkungen auf? Ist es wirklich häufig so, dass sich die Enuresis nach Einnahme ausschleichen kann und nicht mehr auftaucht? Oder kommt das Bettnässen nach Absetzen des Medikaments doch eher wieder? Wie sind da die Erfahrungen? Ende August hat mein Sohn seine erste mehrtägige Klassenfahrt und ich überlege, das MINIRIN jetzt anzusetzen, so dass vielleicht im August kein Bettnässen mehr auftritt. Vielen Dank für eine Rückmeldung!

Gabriele Grünebaum 20.04.16 [22:41]

Hallo astriderix, Ziel einer jeden Behandlung ist nicht das trockene Bett (um den Preis, dass das Kind nachts geweckt wird), sondern ein ausgeruhtes Kind, dass ohne Schlafunterbrechung im trockenen Bett aufwacht.
Haben Sie schon einmal ein Blasentagebuch geführt? Das ist wichtig, um herauszufinden, was möglicherweise die Ursache des Einnässens ist. Falls Ihr Sohn beispielsweise nachts mehr Urin bildet, als die Blase fassen kann, kann das entweder daran liegen, dass die Blase nicht altersgerecht entwickelt ist, dass er zu spät zu viel trinkt oder dass des Nachts das Hormon, welches den Urin nachts konzentriert, nicht in ausreichender Menge produziert wird.
Für die drei o.g. möglichen Ursachen gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten.
Falls die Urinmenge allerdings kleiner ist und eigentlich in die Blase passen müsste, kann das nächtliche Einnässen daran liegen, dass die Blase überaktiv ist. Auch hier gibt es besondere Therapiemöglichkeiten, die von den zuvor genannten abweichen.
Blind das ein oder andere auszutesten, bedeutet im Nebel stochern. Sie können Glück oder Pech mit einer solchen Therapie haben.
Falls (!) Desmopressin das Mittel der Wahl ist (das sollte der Arzt nach Auswertung eines Blasentagebuches und einer Untersuchung des Kindes entscheiden), gibt es gute Chancen, dass diese Therapie nachhaltig wirkt. Wichtig ist dabei u.a., dass das Trinkverhalten des Kindes auch optimiert wird (das Kind sollte bis 17 Uhr 75% der Tagestrinkmenge getrunken haben) und dass die Dosierung stimmt.
Bei richtigem Einsatz wirkt Desmopressin meist innerhalb von wenigen Tagen. Nach einer Einnahmezeit von einigen Wochen sollte das Medikament nicht plötzlich abgesetzt werden. Die Rückfallquote sinkt sehr deutlich, wenn das Medikament langsam ausgeschlichen wird. Ein entsprechendes Ausschleichschema finden Sie hier
http://www.initiative-trockene-nacht.de/service/einnahmeschema-desmopressin.html
Wenn Desmopressin richtig angewendet wird (u.a. nach Einnahme des Medikaments nichts mehr trinken), kommen unerwünschte Nebenwirkungen sehr selten vor.
Alles Gute.
G.Grünebaum