Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Keinen Rat mehr...

Dalijo 03.01.17 [01:08]

Hallo,

schon oft habe ich die Seite besucht, weil unsere Familie auch "betroffen" ist...
Heute habe ich mich registriert, weil ich mir absolut keinen Rat mehr weis
und auch echt nicht weis, wie es weiter gehen soll!
Meine Söhne, 9 und 6 nässen beide noch fast jede Nacht ein und vor der
"Sauberkeitserziehung" meines dritten Sohnes, gerade zwei geworden habe
ich schon regelrechte Panik, dass das genauso endet! (Weil bei den Großen
anscheinend soviel schief gelaufen ist!)
Bei dem Ältesten sind wir schon lange dran mit Sonnenkalendern, Urologenbesuch,
seit fast einem Jahr (!) Klingelhose, Hormonen...etc...
Es hilft alles am Anfang mal eine Woche vielleicht und dann ist der alte Trott wieder
da, und man hat von der "ist mir egal"-Haltung bis richtig wütend sein schon alles
mehrfach durch.
Ein meiner Meinung nach größtes Problem ist, dass sie beide einfach nachts nicht
von alleine zur Toilette gehen! Weil sie entweder zu tief schlafen oder (sorry) einfach
zu faul sind!
Bitte versteht mich nicht falsch, die beiden sind so tolle Jungs, aber dieses ganze Thema
legt sich manchmal wie ein Schatten über vieles.. Das macht mich im Moment einfach
nur traurig, weil es das echt nicht wert ist!
Sie sind beide so aufgeschlossen und kontakfreudig aber gerade da steht uns das Problem
bzw ihnen im Weg, wenn sie z.B. woanders übernachten wollen.
Als der Große jetzt im Schullandheim war, bin ich vor Angst fast gestorben, dass
es keiner seiner Mitschüler bemerkt und sich dann über ihn lustig machen!
Es ging, Gott sei dank gut, aber solche Situationen werden mit zunehmenden Alter
einfach vermehrt an uns heran treten!

Hat da irgend jemand einen wirklich guten, erprobten Rat, den er mir weiter geben
kann? Mein Kinderarzt ist bei der ganzen Thematik keine große Hilfe, sein letzter
Rat in Bezug auf den Großen war: "einfach abwarten, bis es von selbst weg geht"
oder zum Kinderpsycholgen!?!?

Bin echt dankbar und offen für alles!
Herzliche Grüße Dalijo

Gabriele Grünebaum 03.01.17 [11:56]

Hallo Dalijo, was Sie schreiben ist sehr gut nachvollziehbar. Das Bettnässen belastet eben nicht nur das Kind selbst (mehr oder weniger), sondern besonders auch die ganze Familie.
Übrigens müssen Sie kein schlechtes Gewissen haben. In den meisten Fällen ist nichts "schiefgelaufen" und die Kinder sind auch nicht "faul".
Oft ist das Bettnässen vererbt und da kann man "nur" mit besonderer Aufmerksamkeit eingreifen.

UND: Ziel der Therapie des Bettnässens ist NICHT ein trockenes Bett am morgen, sondern ein ausgeschlafenes Kind, was durchschläft und Nachts nicht einnässt. Also: Aufwachen, um auf die Toilette zu gehen, ist nicht das Therapieziel.

Übrigens: die Kinder, die nachts einnässen, schlafen meist nicht tief, sondern haben eine so genannte Aufwachstörung, d.h. sie wachen kaum auf, wenn man sie versucht zu wecken. Sie schlafen aber eben NICHT besonders tief, was sich manchmal auch auf die Konzentrationsfähigkeit am Tag auswirken kann.

Was wir hier immer wieder feststellen, ist, dass die meisten Kinder ein nicht so gutes Trinkverhalten haben. D.h. diese Kinder trinken morgens und mittags deutlich zu wenig und fangen erst am Nachmittag mit größeren Trinkmengen an. Da helfen dann auch keine Alarmtherapie oder Medikamente!

Daher ist es so wichtig, dass die Kinder lernen, schon morgens und mittags so viel zu trinken, dass sie mind. 75% der gesamten gewünschten Trinkmenge (ca. 50ml/kg Körpergewicht) VOR 17 Uhr getrunken haben.
Vielleicht wäre es eine gute Idee, erst mal mit dem 9-jährigen zu üben, d.h. mit ihm ein Blasentagebuch zu führen, damit Sie sehen können, ob am Trink- und Pipi-mach-Verhalten noch was zu verbessern ist - und dann, wenn das bei einem geklappt hat, sich auf den Mittleren zu konzentrieren.
Wichtig ist es auch, zu wissen, wie die Blasenkapazität ist und welches Verhältnis die nächtliche Urinmenge zu der am Tag hat.
Mit Hilfe eines Blasentagebuches (www.blasentagebuch.de) können Sie die Daten eingeben und erhalten eine sehr detaillierte Auswertung mit Empfehlungen.
Beim Kleinsten sollten Sie von Anfang an darauf achten, dass er regelmässig und genügend trinkt, dass er vor dem zu Bett gehen, ZWEI mal auf die Toilette geht - einmal vor und einmal nach dem Zähneputzen.
Vielleicht können Sie zu Beginn des Frühstücks für ALLE eine Trinkrunde einführen: Alle trinken erst mal ein großes Glas (was auch immer) - bevor das Frühstück beginnt.
Mein Tipp: kkonzentrieren Sie sich auf ein Ziel, was auch erreichbar scheint und steuern Sie dies an, so dass Sie sich nicht überfordern.
Alles Gute
G.Grünebaum

Dalijo 03.01.17 [23:20]

Liebe Frau Grünebaum,

vielen Dank, dass Sie so schnell und ermutigend geantwortet haben!
Was mir wirklich völlig einleuchtet ist natürlich, dass Sie damit Recht
haben, dass es da Ziel sein muss, das beide ohne Unterbrechung gut
durch schlafen können ohne auf die Toilette zu müssen! Die Klingelhose
bei meinem Großen bringt eigentlich im Moment auch nur, dass das Bett
nicht unter Wasser steht, weil ich ihn dann zur Toilette schicke, oft macht
er den Alarm nämlich einfach nur aus und schläft weiter.
Manchmal scheint das zu klappen, dass er dann nicht einnässt, aber eben
viel öfter ist er dann eben komplett nass danach!
Deswegen auch meine Frage: sollen wir es einfach lassen mit der Klingel-
Hose und ihm wieder Windeln geben?
Das mit dem Blasentagebuch werde ich auf jeden Fall machen, ich hatte
in den Unterlagen mal nachgeschaut, vor Dreieinhalb Jahren wurde bei
einem Urologen anhand eines "Miktionsrpotokolls" das wir eine Woche
lang geführt haben festgestellt, dass er eine zu geringe Blasenkapazität
hätte, allerdings sollten wir hier nur die Ausscheidung und nicht die Einfuhr
dokumentieren, hatte das dann überhaupt Aussagekraft?

Wir werden jetzt hoffentlich in Ruhe erst mal einen Schritt nach dem anderen
gehen, vielen Dank nochmal für Ihr Bemühen!

Herzliche Grüße,
Dalijo

Gabriele Grünebaum 04.01.17 [11:09]

Hallo Dalijo, tatsächlich macht es wenig bis keinen Sinn ein Blasentagebuch zu führen, ohne dass man die Trinkmenge UND den Stuhlgang mit notiert.
Zu den häufigsten Ursachen des Bettnässens gehören das Trinkfehlverhalten (zu wenig oder morgens und mittags zu wenig) und auch Verdauungsprobleme des Kindes. Anders als Erwachsene, sollten Kinder einmal am Tag Stuhlgang haben. Wenn Kinder (weil sie zuwenig trinken oder sich nicht genügend bewegen oder zu viel Zucker und zu wenig Ballaststoffe zu sich nehmen) verstopft sind, dann kann der Darm Einfluß auf eine gesunde Blasentätigkeit haben ...
Das Online-Tagebuch ist eigentlich ganz gut zu führen und wenn Sie hier die Tagesdaten eingeben, erfahren Sie eine Menge, was Sie noch verbessern können.
Eins nach dem anderen ist sicherlich ein guter Weg.
Ich drücke die Daumen.
Herzlichst
G.Grünebaum