Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Erfahrungsbericht / Sohn mit 9 trocken

mutig 30.01.15 [09:21]

Hallo in die Runde,
nachdem unser Sohn mit 9 Jahren trocken geworden ist, möchte ich hier danke sagen und meine Erfahrung mitteilen: Zunächst einmal bin ich wirklich dankbar, dass es auf unserem Weg viele kompetente Ärzte gab und auch hier im Forum der richtige Tipp vermittelt wurde: Abwarten und Tee trinken!

Unser Sohn war sowohl tagsüber als auch nachts nicht trocken, noch nie. Sein Verhalten war nicht auffällig, keinerlei Bedenken bei Erzieherinnen, Lehrern, Omas etc. Alle Untersuchungen, Tagebuch etc. blieben fast ergebnislos. Der Urologe sprach von einer etwas zu kleinen Blase und dass sich das geben würde, der Kinderarzt und auch die Ärztin, die seine Praxis übernahm, waren sich sicher: Das ist eine Entwicklungsverzögerung, die bei vielen Kindern vorliege und sich bis 9/10 Jahren auswachse. Auch von dem Besuch eines Psychologen, Desmopressin u.ä. wurde abgeraten. Ostheopathie half auch nicht. Wenn man von Familie und Bekannten immer wieder blöde Bemerkungen ertragen muss, ständig Wechselwäsche dabei haben muss, man im Hotel dem Personal Windelberge von einem 7jährigen hinterlässt, Wäscheberge waschen muss, Besuche bei Freunden eine belastende Orga wird, kann man nicht leicht an eine "Entwicklungsverzögerung" glauben. Mein Mann und ich haben oft gezweifelt, ob wir etwas falsch machen, irgendeinen "Zug" verpassen etc. Es war für uns nicht leicht zu akzeptieren, dass unser Sohn nun mal so ist. Aber genau das mussten wir, aus Liebe zu unserem Sohn. Denn uns war klar, dass aus einer Entwicklungsverzögerung ein handfestes psychisches Problem werden könnte, wenn unser Sohn sich von uns nicht angenommen fühlt. Also unterblieben zu Hause alle Gespräche und Streits über nasse Hosen, "warum bist du denn nicht schon früher aus Klo", "sei nicht so stur" etc.

Ich will es ganz deutlich sagen und damit auch dem Buch "Wie Kinder trocken werden können" von Gabriele Haug-Schnabel widersprechen: Unser Sohn ist nicht trocken geworden, nachdem oder weil wir es irgendwann geschafft haben, eine entspanntere Haltung dazu zu bekommen. Wir haben auch keine übertriebene "Reinlichkeitserziehung" betrieben. Die Ärzte hatten wohl einfach Recht: Mit 8 Jahren wurde es plötzlich besser, er war dann tagsüber trocken, mit 9 Jahren dann auch nachts.

Es gibt viele Gründe für Enuresis und nicht alle Geschichten verlaufen so wie unsere. Aber es kommt laut unseren Ärzten und auch laut einigen Grundschullehrern viel häufiger vor als man denkt. Das ist auch statistisch nicht erfasst, wie auch? Man redet ja nicht gern darüber. Ich möchte hier allen Eltern Mut machen, dass Ihr keine schlechten Eltern seid, weil das eigene Kind nicht trocken wird. Manchmal hilft, auf das zu blicken, was unsere Kids alles toll machen und können. Sie sind nicht dazu da, uns glücklich und stolz zu machen. Und die Kids sind auch in der Lage damit umzugehen, wenn wir an Sie glauben - obwohl natürlich Druck da ist, und wie! Aber ich habe immer versucht zu glauben, dass es unseren Sohn vielleicht auch irgendwie stark macht.

Jedenfalls wünsche ich allen Betroffenen viel Kraft und Glauben an sich selbst und an unsere Kinder!
LG

Gabriele Grünebaum 31.01.15 [10:28]

Danke für den Erfahrungsbericht.
Liebe Grüße
G.Grünebaum