Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Einnässen tags und nachts mit 6 Jahren

Rosenrot 27.09.17 [21:11]

Liebes Experten-Team.

Ich habe eine Frage zu meinen Sohn, der im August 6 Jahre alt und damit eingeschult worden ist.

Er war noch nie trocken. Nachts ist die Windel immer klitschnass aber auch tagsüber haben wir durchgehend 1-4 nasse Hosen.
In der Schule trägt er nun eine Einlage, muss sich aber trotzdem meist noch mindestens einmal umziehen, was ihn natürlich stark belastet. Er sagt, er merkt es einfach nicht, dass er muss, geht aber (obwohl er bereits eine Vibrationsuhr zur Erinnerung trägt) auch nicht regelmäßig. Dafür hat er keine Zeit und auf der Toilette nicht die nötige Ruhe.

Er ist bereits in Behandlung. Ultraschall war unauffällig.
Ein erster Versuch mit Mictonetten (in der Dosiereung 1-1-1) und Oxybutinin brachte über Wochen keine Verbesserung. Im Sommer haben wir die Medikamente deshalb abgesetzt.
Das letzte Miktionsprotokloll im März (da bekam er bereits mehrere Wochen Medikamente) ergab eine maximale Urinmenge von 75 ml.
Beim Uroflow im April wurden 115 ml Urin und 67 ml Restharn festgestellt. Seitdem machen wir (fast) täglich Biofeedback – ohne Erfolg.
Hinzu kommt, dass er gelegentlich (phasenweise) einkotet, meist dann wenn er versucht, den Stuhldrang einzuhalten. Er hat aber regelmäßigen Stuhlgang, geht mindestens morgens und abends für sein „großes Geschäft“ zur Toilette.

Was können wir noch tun, um meinem Sohn zu helfen?
Wäre ein 2. Versuch mit Miktonetten sinnvoll? Evtl. in höherer Dosierung (er wiegt ca. 22 kg)?

Können Sie mir einen (weiteren) spezialisierten Arzt in Köln empfehlen?

Herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung!

Gabriele Grünebaum 01.10.17 [20:17]

Guten Tag Rosenrot,
wenn Kinder außer dem Bettnässen auch tagsüber einässen, versucht man zunächst einmal die Tagesproblematik in den Griff zu bekommen.
Hier hilft für die Diagnostik das Blasentagebuch.
Die Blase Ihres 6-jährigen Sohnes sollte etwa 210ml fassen können - das sollte die Menge sein, die er am Tag auf einmal Pinkeln kann.
[(Alter + 1)*30 ==> (6+1)=7*30=210 ml]
Wichtig ist aber auch, dass das Kind bei einer Verhaltstherapie mitwirkt. D.h., wenn er eine Alarmuhr hat, die ihn ans Pipimachen erinnert, sollte er auch ohne wenn und aber auf die Toilette gehen und sich hierfür Zeit nehmen. Die Uhr sollte dann etwa alle 2 bis 2,5 Stunden Alarm geben -entsprechend der Pausenzeiten in der Schule.
Und es ist sinnvoll, dass das Kind nicht nur regelmässig Pipi macht (und sich hierbei Zeit lässt, damit die Blase auch leer werden kann), sondern auch immer bei einem Alarm (vor oder nach dem Toilettengang) ein Glas trinkt.
Fragen Sie Ihren Sohn doch mal, warum er sich auf der Toilette keine Zeit nimmt.
Häufig sind die Schultoiletten so verschmutzt, dass Kinder sich ekeln - dann muss man ggf. mit der Schulleitung sprechen und entweder dafür sorgen, dass die Schülertoiletten sauber sind, oder aber eine Ausnahmegenehmigung erwirken, dass Ihr Sohn auf die Lehrertoilette darf.
Es scheint noch einiges möglich zu sein - und mit guter Unterstützung und ggf. einem ereuten mediikamentösen Versuch, die Blase wachsen zu lassen, hat Ihr Sohn gute Chancen, die Probleme in den Griff zu bekommen.
In Köln können wir Dr. Thomas Harms (Urologe in Köln-Weiden) sehr empfehlen.
Alles Gute G.Grünebaum