Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Desmopressin in Floris Fall ja oder nein?

JBO 22.02.18 [08:35]

Hallo zusammen, wir sind neu hier und wollten mal eure Meinung hören.
Unser Sohn ist 8 Jahre alt und nässt jede Nacht ein.

Er war mit 2,5 Jahren tagsüber trocken und hatte seit dem auch nie tagsüber Probleme.

Nachts war er noch nie trocken.

Blasengröße ist normal und organisch ist alles in Ordnung. (abgeklärt durch Urologe)

Die Nachtwindel bzw. Schlupfhose (kaufe die drynight für seine Altersstufe) ist früh mit ca. 150-200ml voll und der erste Toilettengang (gleich nach dem Aufstehen) ist dann auch noch nochmal ca 100ml. Und das obwohl er nach 18 Uhr nur noch kleine Mengen trinkt.

Bei meinen Mann liegt das Kinder-Bettnässen in der Familie. Mein Mann selbst hatte bis ca 9. Lebensjahr auch Probleme und sein jüngerer Bruder war auch erst spät nachts trocken.

Wir haben schon verschiedene Sachen probiert: 1. Die Klingelwindel. Das brachte gar nix,weil er nicht von selbst aufgewacht ist, hat im Halbschlaf mit seinen Kissen den Klingelton gedämpft und weitergeschlafen. 2. Versuch war: 2x Nacht wecken und auf Toilette setzen. ( das hat meine Schwiegermutter bei ihren Söhne Jahre lang gemacht) Das half zwar das die Windel trocken blieb, dafür wurde ich aber (damals war er noch im Kindergarten) von der Erzieherin angesprochen das er so quengelig wäre und so unausgeschlafen. Ist ja eigentlich logisch, weil der Tiefschlaf 2 x unterbrochen wurde. Das haben wir deshalb dann auch gelassen.

Wir gehen mit dem Thema relativ locker um, schimpfen nicht oder so und haben ihm erklärt, daß das bei Papa auch so war und sich irgendwann regelt. Das heißt ich denke seine Psyche ist deshalb nicht "angekratzt".

Dennoch merke ich das er "es" gerne in den Griff bekommen möchte.

Wenn ich alle Informationen hier auf der Seite auswerte und mit unserem Fall vergleiche, dann denke ich das es daran liegt das bei ihm das ADH-Hormon zur Steuerung der Nierentätigkeit in der Nacht nicht bzw. noch nicht gebildet wird. Das ist von meinen Mann vererbt.

Laaaaaaange Erklärung, jetzt hier meine konkrete Frage: Würdet ihr uns Desmopressin empfehlen. Ich hab immer einen heiden Respekt vor Nebenwirkung oder vor Langzeitschäden, gibt es da Erfahrungen?. Außerdem ist das so in meinem Kopf die allerletzte Hoffnung, was wenn es nicht anschlägt?
Oder macht es Sinn es einfach aussitzen bis es sich selbst reguliert?

Danke im Voraus für eure Ratschläge

Gabriele Grünebaum 27.02.18 [22:47]

Hallo JBO, eine Therapie ist immer dann in diesem Alter sinnvoll, wenn das nächtliche Einnässen das Kind und/oder die Eltern belastet.
Wenn es bei Ihrem Sohn eine erbliche Diskosition gibt, ist das ja schon einmal wichtig zu wissen.
Ist denn schon einmal ein Blasentagebuch geführt worden, um u.a. herauszufinden, ob am Trinkverhalten noch etwas verbessert werden kann, oder daran, wie häufig das Kind auf die Toilette geht?
Manchmal helfen dann schon kleinere Veränderungen.

Vom nächtlichen Wecken halten wir nichts. Kinder brauchen Ihren ungestörten Schlaf, um morgens fit zu sein und den Tag gut zu überstehen.

Im Alter von 8 Jahren kann eine altersgerecht entwickelte Blase ca. (8+1=)9*30=270ml fassen. Wenn Ihr Sohn nachts "nur" ca. 200ml Pipi macht, dann scheint es sich eher nicht um eine Unterproduktion des Antidiuretischen Hormons zu handeln.
Manchmal aber kann Desmopressin in solchen Fällen dennoch zur Trockenheit führen. Der Therapialgorithmus, der Europäischen Gesellschaft für pädiatrische Urologie empfiehlt u.U. auch bei normaler Urinmenge und normaler Blase eine Therapie mit Desmopressin.
www.initiative-trockene-nacht.de/bettnaessen/therapie.html
www.initiative-trockene-nacht.de/fileadmin/bilder/therapiealgorithmus_eau_espu.pdf

Sie sollten das Thema mit Ihrem Arzt besprechen und die Vorteile und Nachteile bzw. Risiken sorgsam abwägen.

Je später eine Therapie begonnen wird, umso schwieriger kann es werden, Kinder trocken zu bekommen. Daher sollte versucht werden, dieses Problem vor Einsetzen der Pubertät zu lösen.
Insbesonders dann, wenn es Ihren Sohn und Sie belastet.

Alles Gute.
G.Grünebaum




JBO 01.03.18 [07:50]

Hallo Frau Grünebaum,
vielen Dank für die Antwort. Sie hat uns gestärkt und dadurch haben wir beschlossen jetzt ein Blasentagebuch zu führen und parallel dazu einen Termin bei Urologen ausmachen.

LG JBO