Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten
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Das Zusammenspiel zwischen Blase und Gehirn

Was wir trinken, gelangt über die Speiseröhre in den Magen und dann in den Darm. Im Darm wird die Flüssigkeit durch die Darmschleimhaut vom Blutkreislauf aufgenommen. Das Blut wird vom Herzen durch den ganzen Körper geführt, verteilt frische Nährstoffe und Sauerstoff und nimmt Abfallprodukte des Stoffwechsels mit sich.

Die Nieren
Unser Blut fließt bei seinem Weg durch den Körper hunderte Male pro Tag durch die Nieren. Hier wird es gefiltert, gereinigt und von überflüssigem Wasser befreit. Aus dem Wasser und den Abfallstoffen wird Urin. Von den Nieren gelangt der Urin durch die Harnleiter (Ureter) in die Blase, wo er gesammelt wird.

Die Blase
Die Blase dehnt sich ähnlich wie ein Luftballon, wenn sie sich füllt. Bei einem 7jährigen Kind kann sie im Durchschnitt etwa 240ml fassen. In der Blasenwand gibt es Nerven, die mit dem Gehirn kommunizieren.

Botschaft ans Gehirn
Diese Nerven in der Blasenwand registrieren die Dehnung und senden eine entsprechende Botschaft an das Gehirn, wenn die Blase voll ist. Bei Babys reagiert das Gehirn auf dieses Signal spontan mit einem Befehl an den Schließmuskel der Blase. Dieser entspannt sich, die Muskulatur gibt die Öffnung zur Harnröhre frei und die Blase entleert sich. Mit zunehmendem Alter und zunehmender Reifung erwirbt das Kind die Fähigkeit, diesem ersten Reflex nicht nachzugeben, sondern die Blase bewusst solange verschlossen zu halten, bis sich eine passende Gelegenheit zum Wasserlassen bietet. Ist dieser Reifungsprozess abgeschlossen, funktioniert es sogar im Schlaf - das Kind wacht auf, anstatt schlafend seine Blase zu entleeren.

Sauberkeitstraining
Einige Kinder nehmen sich ein Vorbild an den älteren Kindern oder den Erwachsenen und gehen auf die Toilette, sobald sie das Signal richtig verstehen. Andere Kinder brauchen ein richtiges Training, um die Signale zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren, und wieder andere Kinder sind auch mit 4, 5 oder 6 Jahren noch nicht soweit, tags und nachts trocken zu bleiben.

Adiuretin
Eine wesentliche Rolle bei der Bildung des Urins spielt das Adiuretin (ADH= Antidiuretisches Hormon, früher Vasopressin genannt), ein Hormon, das in der Hirnanhangdrüse gebildet wird. Ab dem Alter von etwa 2-3 Jahren wird Adiuretin (ADH) im Körper rhythmisch produziert. Je mehr Adiuretin gebildet wird, umso weniger Urin wird produziert. Damit die Blase nachts nicht überläuft, wird nachts mehr Adiuretin gebildet. Der nächtliche Anstieg des Adiuretins führt dann also zu einer reduzierten Produktion von konzentrierterem Urin, so dass wir nachts normalerweise nicht auf die Toilette gehen müssen.

Blase läuft im "Nachtbetrieb"
Für die Urinmenge, die wir nachts produzieren, ist es daher entscheidend, ob die Nieren durch ausreichend Adiuretin rechtzeitig auf "Nachtbetrieb" umschalten. Mit zunehmender Reife und wenn die nächtliche Urinproduktion reduziert ist, erlangt das Kind die Fähigkeit, dem ersten Reflex nicht nachzugeben, sondern nachts die Blase solange verschlossen zu halten, bis sich eine passende Gelegenheit zum Urinieren bietet.

Alles muss stimmen
Es sind mehrere Fähigkeiten, die genügend entwickelt sein müssen, damit ein Kind trocken durch den Tag kommt und auch nachts trocken durchschlafen kann.

  • Blasen-Schließmuskel
    Das Kind muss die Kontrolle über den Blasen-Schließmuskel erlernen.
  • Merken und reagieren
    Das Kind muss merken, wann die Blase voll ist, und es muss schnell reagieren und auf die Toilette gehen.
  • Schlafen und aufwachen
    Das Kind muss lernen, bei welchen Signalen es aufwachen sollte.
  • Hormone
    Das Kind muss nachts genügend ADH bilden, das in der Nacht die Urinproduktion drosselt.
  • Übung
    Das Kind braucht eine kräftige Muskulatur im Beckenboden, die die Blase stabilisiert, damit es auch größere Mengen Urin einhalten kann.

Wenn das Bett aber nass ist
Wenn das Bett aber nass ist und das Kind nachts trotz voller Blase nicht aufgewacht ist, kann dies an verschiedenen Dingen liegen. Es kann eine Reifeverzögerung vorliegen, die die Leitung zwischen Blase und Gehirn betrifft, oder die rhythmische ADH-Produktion funktioniert (noch) nicht zuverlässig, oder die Blase ist (noch) zu klein. Es kann an falschen Trinkgewohnheiten des Kindes liegen, es können psychosoziale Gründe (ist aber eher selten) oder es kann eine Kombination von den oben genannten Ursachen vorliegen.