Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Die familiäre Veranlagung beim Bettnässen

Viele Untersuchungen über das Bettnässen in unterschiedlichen Ländern haben zweifelsfrei gezeigt, dass es eine erbliche Komponente gibt, die den Zeitpunkt beeinflusst, wann Kinder trocken werden. In vielen Familien tritt das Bettnässen deutlich häufiger auf als in anderen.

Genetisch bedingte Reifestörung
Man geht heute davon aus, dass es sich bei der primären Enuresis um eine genetisch bedingte Reifungsstörung des zentralen Nervensystems handelt, während bei der sekundären Enuresis Umweltfaktoren, z.B. belastende Lebensereignisse wie die Scheidung der Eltern oder die Geburt eines Geschwisterkindes, dazu führen können, dass diese Veranlagung aktiviert wird oder es zum Rückfall kommt.

  • Nur etwa 15% der Kinder sind mit ihrem Leiden allein in der Familie.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind von Enuresis betroffen ist, liegt bei etwa 45%, wenn ein Elternteil ebenfalls Bettnässer war.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind von Enuresis betroffen ist, steigt auf bis zu 77%, wenn beide Elternteile Bettnässer waren.
  • Wenn der Kindsvater über das Alter von vier Jahren hinaus Bettnässer war, steigt das Risiko für das Kind um das Siebenfache [Järvelin 1989],
  • wenn die Mutter einnässte, um das Fünffache [Järvelin 1989].
  • Ist bei eineiigen Zwillingen ein Kind Bettnässer, so ist in etwa 70% der Fälle auch der zweite Zwilling Bettnässer [Bakwin 1973].
  • Bei zweieiigen Zwillingen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass auch das zweite Geschwisterkind einnässt, bei etwa 36% [Bakwin 1973].
  • Wenn mindestens zwei erstgradig Verwandte eingenässt haben, verzögert sich das Trockenwerden um 1½ Jahre [Bakwin 1973].
  • Die Ansprechrate für den Wirkstoff Desmopressin, einem Arzneimittel, das dem antidiuretischen Hormon nachempfunden ist, lag bei den Kindern, deren Vorfahren auch an Enuresis gelitten hatten, bei 91%,
  • während nur 7% der Kinder auf die Desmopressin-Behandlung ansprachen, deren Eltern nicht unter Enuresis litten.

Experten lokalisierten mehrere Gendefekte auf verschiedenen Chromosomen (8q, 12q, 13q, 22q) (8, 1).