Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Geringe Blasenkapazität

"Mein Sohn ist so in sein Spiel vertieft, dass er es manchmal nicht schnell genug zur Toilette schafft ..."

"Die Unterhose meiner Tochter ist auch tagsüber manchmal ein wenig feucht, dann hat sie es wohl nicht so schnell zur Toilette geschafft ..."

Zwei Aussagen von Müttern, deren Kinder auch tagsüber mehr oder weniger einnässen. Bei älteren Kindern (ab dem vollendeten 5. Lebensjahr) ist dies aber keineswegs mehr "normal" und sollte Anlaß genug sein, um einen Kinderarzt aufzusuchen.

Erst das Tagesproblem behandeln
Bei Kindern, die nachts einnässen und auch tagsüber nicht zuverlässig und 100%ig trocken sind, wird in der Regel zunächst die Tagessymptomatik therapiert, bevor man mit einer möglichen Therapie des nächtlichen Einnässens beginnt.

Enuresis Diurna oder Harninkontinenz
Früher hat man es bei Kindern, die tagsüber nicht zuverlässig trocken waren als Enuresis diurna bezeichnet - heute bezeichnet man dieses Problem als Harninkontinenz.

Geringe Blasenkapazität und überaktive Blase?
Ursache für die Harninkontinenz am Tage kann eine geringe Blasenkapazität ein, die häufig mit einer überaktiven Blase einhergeht. Eine geringe Blasenkapazität und eine überaktive Blase kann der Arzt mittels Anamnese, Sonographie des oberen Harntrakts und der Blase, Einnäss- und Trink-Miktions-Protokollen sowie Flow-EMGs feststellen. Um allerdings nur eine überaktive Blase zu diagnostizieren, ist High-Tech-Medizin mit Apparaten und Geräten erforderlich. Es ist nicht verwunderlich, dass allein angesichts medizinischer Apparaturen und wegen der aufregenden Untersuchungssituation viele Kinder einen plötzlichen Harndrang als eine natürliche Stress- und Angstreaktion verspüren. Es wird darüber diskutiert, ob möglicherweise mit den High-Tech-Verfahren eine Störung diagnostiziert wird, die sie selbst verursacht haben.

Geringe Blasenkapazität & Blasentraining
Sehr häufig wird bei der Diagnose "geringe Blasenkapazität" ein Blasentraining empfohlen. Allerdings ist es bei Wissenschaftlern umstritten, ob eine kleine Blasenkapazität tatsächlich durch ein Blasentraining verbessert werden kann. Ziel des Blasentrainings ist eine Verbesserung der funktionellen Blasenkapazität und der Wahrnehmung des Harndrangs. Sobald das Kind auf die Toilette will, wird von ihm einen Aufschub von ca. 4 Minuten verlangt, wobei die Zeitspanne schrittweise ausgedehnt wird. Bei dem sogenannten Unterbrechertraining soll eine schon begonnene Miktion unterbrochen werden.

Untersuchungen von belgischen Ärzten aus Antwerpen und Gent ergaben, dass jedes fünfte Kind, das sie im Rahmen einer Studie untersucht hatten, mit dieser Methode allein trocken wurde. Die anderen Kinder, bei denen ein vierwöchiges Blasentraining keine Besserung gebracht hatte, erhielten zusätzlich zum Training Wirkstoffe, so genannte Anticholinerika, was die Symptomatik verbesserte. Anticholinerika sind Wirkstoffe zur Vergrößerung der Blasenkapazität und Dämpfung der Blase.