Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Urotherapie

Urotherapie besteht aus verschiedenen verhaltenstherapeutischen Methoden zur Behandlung von Stuhl- und Harninkontinenz und zur Therapie der Enuresis, wenn diese ursächlich mit einem falschen Trink- und Miktionsverhalten (Pipimachen) einhergeht.

Mehr Körperbewusstsein entwickeln
Nach einer ausführlichen Diagnostik wird ein Konzept für eine nicht-medikamentöse, verhaltenstherapeutische Therapie entwickelt. Dieses beginnt mit der "Entmystifikation" der Inkontinenz bzw. der Enuresis. Dem Patienten wird hierbei zunächst die Anatomie sowie die funktionellen Abläufe seines Körpers erklärt und dargelegt, was die Ursache seiner Probleme sein könnte. Dann wird mit Hilfe der Urotherapie die Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner Signale geschult. Der Patient soll so lernen, seine Blase und seinen Darm bewusst, richtig und kontrolliert zu entleeren, richtig und angemessen zu trinken und zu essen. Hier wird auch anschaulich gezeigt, welch positiven Einfluss das richtige und entspannte Sitzen auf der Toilette haben kann.

Ohne Blasentagebuch geht es nicht
Für eine gute Diagnostik ist ein so genanntes Blasentagebuch oder Pipiprotokoll absolut notwendig. Hier wird genau notiert, wann der Patient welche Menge an Getränken zu sich nimmt, was er trinkt und wie viel Urin er wann ausscheidet, wann er Stuhlgang hat und wie dieser beschaffen ist. Je sorgfältiger die Trink- und Toilettengewohnheiten protokolliert werden, desto genauer kann der Arzt einschätzen, welche Ursache hinter dem Einnässen steckt.
Mehr Infos zum Blasentagebuch finden Sie hier.
Leider werden viel zu selten Blasentagebücher zur Diagnose herangezogen, so dass häufig der eigentliche Grund für die Inkontinenz nicht erkannt wird.

Trinken und Pipimachen nach Plan
Zu einer vernünftigen Urotherapie gehört ein Verhaltenstraining, bei dem der Patient einem Trink- und Toilettenplan folgt. So sollen bettnässende und inkontinente Kinder beispielsweise alle zwei bis zweieinhalb Stunden auf die Toilette gehen und ebenfalls alle zwei bis zweieinhalb Stunden trinken. Die Trinkmenge richtet sich u.a. nach dem Körpergewicht des Kindes und sollte pro Tag und Kilogramm Körpergewicht etwa 40-50ml betragen. Diese Menge sollte hier nicht wesentlich über- oder unterschritten werden.
75% der Tagestrinkmenge sollte vor 17 Uhr getrunken sein, damit die Hauptportion der Ausscheidung über Tag stattfindet und damit sich die Blase richtig entwickeln kann. Eine Stunde vor dem Schlafengehen sollten Kinder nichts mehr trinken, damit sie in der Nacht nicht wasserlassen müssen. Kinder sollten aber nicht dursten. Wenn Kinder über den Tag verteilt regelmässig und ausreichen getrunken haben, so wird ihr Durst gegen Abend von selbst deutlich abnehmen.

Eine Uhr kann helfen
Damit Kinder lernen, alle zwei bis zweieinhalb Stunden auf die Toilette zu gehen und zu trinken, kann man ihnen eine entsprechend programmierte Alarmuhr geben. In Absprache mit den Erzieherinnen im Kindergarten oder den Lehrern in der Schule kann eine solche Uhr so programmiert werden, dass sie die Kinder in den geeigneten Pausen an Ihre Aufgabe erinnert. Die Uhr hat auch den Vorteil, dass nicht jedesmal diskutiert werden muß, ob die Kinder nun Pipi machen müssen oder Durst haben - wenns klingelt (piept oder vibriert) wird getrunken und die Toilette aufgesucht.

Richtig auf der Toilette sitzen
Sollte sich das Kind eine falsche Sitzhaltung auf der Toilette angewöhnt haben, muss mit ihm das adäquate Sitzen in entspannter Haltung geübt werden. Da die Oberschenkel etwa parallel zum Boden sein sollen und die Füße beide entspannt aufgestellt, ist für die kleineren Kinder ein Hocker vor der Toilette notwendig.

Morgens frühstücken und auf die Toilette gehen
Jedes Kind sollte in Ruhre frühstücken und anschliessend Zeit haben, auf die Toilette zu gehen. Hier sind in der Regel die Eltern gefragt, die ihren Rhythmus unter Umständen umstellen müssen. Für das morgendliche Frühstück und den anschließenden Toilettengang zur Darmentleerung muß ausreichend Zeit eingeplant werden.

Ausdauer und Willenskraft
Eine Urotherapie bedarf der Ausdauer und Willenskraft. Weil vielen Betroffenen häufig an dem ein oder anderen hiervon mangelt und weil der Arzt häufig nicht genügend Zeit hat, um die Patienten und deren Angehörige ausreichend zu schulen, werden zunehmend auch Pflegekräfte, Arzthelfer, aber auch Physiotherapeuten und Hebammen zu Urotherapeuten ausgebildet. Die Erfahrungen der skandinavischen Länder mit einer solchen urotherapeutischen Ausbildung sind sehr vielversprechend.

Wo finde ich einen Urotherapeuten?
Gut ausgebildete Urotherapeuten finden Sie außer beim Facharzt für Urologie auch an vielen Unikliniken, angeschlossen an die Urologischen Abteilungen, sowie bei der Deutschen Kontinenzgesellschaft.