Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Desmopressin zur Therapie des Bettnässens

Desmopressin (genauer Desmopressinacetat = DDAVP= 1-Desamino-8-d-Arginine Vasopressin) ist eine synthetisch hergestellte Substanz, die dem körpereigenen Hormon ADH = Adiuretin = Antidiuretisches Hormon (veraltete Bezeichnung: Vasopressin) nachempfunden und ihm sehr ähnlich ist. Desmopressin bewirkt, ähnlich wie das Hormon selbst, die Verringerung der Harnbildung in der Nacht und kann als Therapie bei der Enuresis eingesetzt werden.
Desmopressin wird derzeit unter dem Markenamen MINIRIN®, Nocutil®, Desmopressin Teva® und Desmotabs®.

Rhythmische Hormonproduktion
Während bei Neugeborenen und Babys die Produktion des Adiuretins (Desmopressin) tags und nachts gleichermaßen geschieht und die kleinen Kinder auch tags und nachts gleich viel Urin produzieren und ausscheiden, so entwickelt sich die Hormonproduktion mit zunehmendem Alter dahingehend, dass nachts mehr Hormon gebildet wird als tagsüber. Das Adiuretin verringert die Urinproduktion, und je mehr ADH gebildet wird, umso weniger Urin wird nachts gebildet - die Blase läuft hierdurch also nachts nicht über. Bei den meisten Kindern hat sich diese zirkadiane Rhythmik im Alter von etwa 3 Jahren eingespielt, bei anderen Kindern dauert dies etwas länger.

Nächtlicher Adiuretinspiegel zu gering
Bei bettnässenden Kindern ist der Adiuretin-Spiegel nachts häufig zu gering. Die Folge: Die Nieren produzieren mehr Urin, als die Blase in einer Nacht fassen kann. Wenn Kinder dann auch noch so tief schlafen, dass sie trotz einer vollen Blase nicht aufwachen, entleert sich diese unwillkürlich im Schlaf. Seit einigen Jahren weiß man nun, dass es eine Möglichkeit gibt, mit Hilfe von Dessmopressin die nächtliche Urinproduktion zu senken und somit vielen bettnässenden Kindern zu helfen. Eine medikamentöse Behandlung mit Desmopressin ist erfolgversprechend, wenn der Arzt festgestellt hat, dass es sich

  • um eine primäre Enuresis handelt,
  • eine Häufung des Bettnässens in der Familie vorkommt und
  • das Kind nachts viel einnässt (viele Eltern berichten, dass ihr Kind, wenn es eingenässt hat, im Bett "schwimmt" ...).

Jahrelange Erfahrungen mit Desmopressin
Desmopressin wird als Wirkstoff schon seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt. Seit Beginn der 80er Jahre ist Desmopressin auch zur Therapie bei der Enuresis zugelassen. Für die Therapie der Enuresis gibt es Desmopressin in Tablettenform.

Therapieziel mit Desmopressin
Ziel der medikamentösen Therapie mit Desmopressin ist es, die natürliche nächtliche Reduktion der Urinmenge zu unterstützen und somit dazu beizutragen, dass das Kind nachts nicht mehr einnässt. Ein Vorteil bei der Desmopressintherapie liegt bei dem vergleichsweise schnellen Wirkungseintritt.

Desmopressin ist besonders dann erfolgreich...

  • ... wenn die Enuresis familär gehäuft auftritt
    Im Kinderkrankenhaus von Dallas, USA, zeigte eine Untersuchung, dass die genetischen Faktoren als Erfolgsfaktoren für eine Desmopressinbehandlung eine Rolle spielen. Die Ansprechrate für Desmopressin lag bei 91% bei den Kindern, deren Vorfahren auch bereits an Enuresis gelitten hatten [Hogg, The Role of Family History in Predicting Response to Desmopressin in Nocturnal Enuresis].
  • ... wenn die Einnässmenge sehr hoch ist
    Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Kindern, die einen ADH-Mangel haben, die Urinmenge nachts nicht reduziert ist. Diese Kinder nässen große Mengen ein. Es wird immer wieder beschrieben, dass "das Bett schwimmt".

Wie wird Desmopressin eingenommen?
Direkt vor dem Schlafen nimmt das Kind den Wirkstoff Desmopressin ein. Der erste Erfolg setzt meistens schnell und nicht selten schon nach der ersten Dosis ein.

Grundsätzlich wird bei jedem Kind mit einer Start-Dosis unmittelbar vor dem Schlafengehen begonnen. Zeigt diese Menge nach zwei Wochen keine Besserung, kann sie erhöht werden. Nach der entsprechenden Therapiezeit und nach Erreichen des Therapieziels wird die Dosis Schritt für Schritt nach einem vorgegebenen Schema reduziert. Der langfristige Erfolg der Therapie ist allerdings in hohem Maße davon abhängig, wie lange das Medikament eingenommen, und auch davon, nach welchem Schema, also wann und wie das Medikament abgesetzt wird.

Richtig eingenommen, steigt die Erfolgsrate deutlich an
Gerade in den letzten Jahren hat es viele Untersuchungen zur Einnahme von Desmopressin gegeben. Wissenschaftlich diskutiert wird das strukturierte Ausschleichen des Medikamentes, nachdem einige Wochen lang mit Erfolg therapiert worden ist.

Dr. Daniela Marschall-Kehrel, Kinderurologin aus Frankfurt, hat eine große retrospektive multizentrische Studie "Was bringt das Ausschleichen der Therapie?" veröffentlicht, in der sie festgestellt hat, dass die besten Erfolge erzielt werden, wenn sich die Therapie in drei Phasen gliedert.

  • die Aufbauphase
  • die Erhaltungsphase und
  • die Auschleichphase

In der Ausschleichphase, also gegen Ende der Therapie, werden die Abstände zwischen den Medikamentengaben immer länger.


Eine andere neue türkische Studie von Parviz Hajiyev et al. "Does structured withdrawal of Desmopressin improve relapse rates in Monosymptomatic Enuretics: Preliminary results of a prospective randomized multiventre placebo controlled study?" konnte die erhöhten Erfolge durch das Ausschleichen des Desmopressins nicht bestätigen.

Wichtig

Desmopressin ist im Grunde genommen ein Wirkstoff mit einem geringen Nebenwirkungspotential und guten Wirkungsprofil.

Wie bei vielen Wirkstoffen kann es auch bei Desmopressin zu Nebenwirkungen kommen. In der Vergangenheit wurden in seltenen Fällen Wasserintoxikationen und Hyponatriämie (Beeinflussung des Natriumhaushaltes) beobachtet. Diese seltenen Nebenwirkungen können besonders dann auftreten, wenn Desmopressin falsch eingenommen wird. Ganz wichtig ist es, den Beipackzettel aufmerksam durchzulesen und auf folgende Punkte zu achten:

  • Die Haupttrinkmenge sollte vor 17 Uhr getrunken werden.
  • Desmopressin wird abends direkt vor dem Zubettgehen eingenommen (auf der Bettkante).
  • Nach der Einnahme von Desmopressin soll nicht mehr getrunken werden.