Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Alarmtherapie als Hilfe für Bettnässer

Das Prinzip der so genannten Alarmtherapie oder apparativen Konditionierungsmethode mit Hilfe elektronischer Weckgeräte beruht auf einem lerntheoretischen Konzept, welches für Bettnässer entwickelt wurde, bei dem bei bettnässenden Kindern eine Verhaltensänderung angestrebt wird.

Alarmtherapie, ein lerntheoretisches Konzept
Für die Alarmtherapie benötigt man ein Weckgerät, bestehend aus einem Feuchtigkeitssensor, der in einer Unterhose, Windeleinlage oder Matratzenauflage befestigt ist und beim ersten Tropfen Urin einen Alarm auslöst. Durch diesen Alarm soll das Kind geweckt und der Miktionsreflex unterbrochen wird. Die restliche Blasenentleerung soll dann auf der Toilette stattfinden.

Wann wird die Alarmtherapie eingesetzt?
Wenn die Ursache des Bettnässens an einem zu geringen Fassungsvermögen der Blase bei normaler nächtlicher Harnproduktion liegt, kann die Alarmtherapie als Mittel erster Wahl angesehen werden. Die Alarmtherapie kann hier zu einer erhöhten funktionellen Harnblasenkapazität in der Nacht zu einer trockenen Nacht beim Kind führen.

Hohe Einsatzbereitschaft ist nötig
Die Alarmtherapie setzt eine hohe Einsatzbereitschaft von Eltern und Kindern (Compliance) und langes Durchhaltevermögen voraus. Denn wenn es im Bett nass wird und der Klingelalarm ertönt, schläft das Kind oftmals weiter, da es schwer erweckbar ist. Eltern, die sich für die Alarmtherapie entschieden haben, müssen dann gegebenenfalls das Kind aufwecken und zur Toilette begleiten. Eckpunkte der Alarmtherapie sind:

  • Das Kind wird wach und geht zur Toilette, oder es wird nicht von allein wach und wird beim Alarmton von den Eltern aufgeweckt und zur Toilette geschickt.
  • Um Tagesmüdigkeit zu vermeiden, soll die Prozedur nur einmal pro Nacht durchgeführt werden.
  • Die Behandlung sollte möglichst nicht unterbrochen werden.
  • Stellt sich nach vier Wochen kein Erfolg ein, sollte die Behandlung abgebrochen werden.
  • Die Gesamtdauer der Therapie sollte 4 Monate nicht überschreiten.
  • Bei den Kindern, bei denen die Alarmtherapie anschlägt, ist mit einem Erfolg nach einem Zeitraum von etwa 8-12 Wochen zu rechnen.

Eltern und Kinder müssen sich daher im Klaren sein, dass die Nächte über mehrere Wochen hinweg turbulent sind.

Wie erfolgreich ist die Alarmmethode?
Betrachtet man die zahlreichen in den wissenschaftlichen Medien veröffentlichen Studien, so kommt man zu dem Ergebnis, dass sich ein Erfolg bei dieser Methode, wenn er sich denn einstellt, im Mittel nach etwa 12 bis 16 Wochen zeigt. Ein durchschnittlicher Behandlungserfolg liegt bei etwa 70% und die Rückfallquote bei etwa 80%.

  • Als Behandlungserfolg bei der Enuresis wird eine Folge von 14 trockenen Nächten nach maximal 16 Wochen Alarmtherapie angesehen - ohne Rückfall.

Alarmtherapie wird häufig abgebrochen
Unter anderem weil die Alarmtherapie für Eltern und Kinder ein hohes Maß an Mitarbeit fordert und einen gehörigen Einfluss auf die ungestörte Nachtruhe der Familie hat, gehört sie zu den Therapieformen, die bei der Enuresis am häufigsten abgebrochen wird. Eine abgebrochene Therapie ist nicht nur für das Kind sehr enttäuschend, sondern auch ökonomisch wenig sinnvoll.

Overlearning
Immer wieder finden wir Hinweise darauf, dass eine so genannte Overlearning-Phase ein sinnvoller Bestandteil der Alarmtherapie ist. Die Overlearning-Phase wird begonnen, wenn das Kind mit Hilfe eines Alarmgeräts trocken geworden ist, um den Erfolg zu sichern. Kurz vor dem zu Bett gehen soll dann das Kind große Mengen trinken, um die Blase zu stimulieren. Wenn man allerdings die Alarmtherapie in Kombination mit Desmopressin anwendet, ist das Overlearning absolut kontraindiziert (= verboten). Denn abends und besonders nach der abendlichen Einnahme eines Desmopressinpräparates darf das Kind nicht mehr trinken.
Übrigens ist der Erfolg des Overlearnings, auch wenn er immer wieder von den Herstellern der Alarmgeräte angepriesen wird, in keiner wissenschaftlichen Studie untersucht oder gar belegt worden.

Guter Schlaf ist die Grundlage für ein gesundes Kind
Gesunder Schlaf ist die Voraussetzung für einen guten Tag. Die Folgen von wiederholten Schlafstörungen sind im Zusammenhang mit der Alarmtherapie noch nicht endgültig erforscht. In der REM-Schlafphase findet normalerweise die Stressbewältigung statt. Daher darf vermutet werden, dass es durch die nächtlichen Störungen innerhalb der REM-Phasen zu einer herabgesetzten Konzentrationsfähigkeit kommen kann und dass die motorischen und intellektuellen Fähigkeiten beeinträchtigt sein können. Schlechte Schlafqualität kann Tagesmüdigkeit verursachen, Depressionen und ein herabgesetztes Immunsystem zur Folge haben. Zwar enthält ein normales Schlafmuster nachts durchaus auch einige kurze Wachperioden, diese sind aber in der Regel so kurz, dass man sich morgens meist nicht mehr daran erinnert. Jegliche Störungen im Schlaf verschlechtern die Schlafqualität.

Kritische Stimmen zur Alarmtherapie
Kritiker der Alarmgeräte geben zu bedenken, dass ein Kind wenn möglich nachts nicht ein- oder gar mehrmals nachts geweckt werden sollte, weil dies die oben beschriebenen negativen gesundheitlichen Auswirkungen haben kann. Häufig schlafen die Kinder extrem tief, wenn der Alarm schrillt, und müssen von den Eltern richtiggehend wachgerüttelt werden. Die Alarmtherapie verlangt, dass das Kind vollständig wach ist und nicht schlaftrunken auf die Toilette gesetzt wird. Es muss sich am morgen noch an den Toilettengang erinnern, damit die Konditionierungmethode überhaupt greifen kann.

Welche Geräte gibt es?
Inzwischen bietet der Markt viele unterschiedliche Typen von Wecksystemen, die im Prinzip ähnlich funktionieren. Die Produktpalette reicht von der "Weckhose", dem Body-Type-Alarm, bis hin zur "Weckmatte", dem Bed-Type-Alarm. An einigen Geräten ist der Feuchtigkeitsfühler mit dem Signalgeber fest verdrahtet, andere geben dem Impuls über Funk weiter. Man kann zwischen verschiedenen Tönen, Lautstärken und Intensitäten wählen, und es gibt Apparate mit Lichtsignal oder Vibrationsalarm. Darüber hinaus gibt es Modelle in unterschiedlichen Formen und Farben, um die Akzeptanz der Kinder zu erhöhen. Hier seien nur einige genannt:

  • Pieselpiepser® (www.pieselpiepser.de)
  • DRI-Sleeper® = www.dri-sleeper.com
  • YNA® Enuresis (www.neoscience.de)
  • Stero-Enurex® (www.stero-med.de)
  • Enuresis Weckaparat (www.hoffmann-elektrotechnik.info)
  • Enutrain® (www. enutrain.de)
  • Rapido-Sec® (www.karlbachmannag.com)
  • Uriphon® (www.uriphon.de)