Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten
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Bettnässen : Zahlen, Daten, Fakten

Zweithäufigste chronische Erkrankung im Kindesalter
Bettnässen (Enuresis) ist nach Asthma die zweithäufigste chronische Erkrankung im Kindesalter.

Wie viele Bettnässer gibt es in Deutschland?
In Deutschland sind vom Bettnässen betroffen

 

Wieviele Bettnässer gibt es rein statistisch in jeder
Schulklasse / Kindergartengruppe?

5. Schuljahr
6,1% von 30 Kindern
= ca. 2 Kinder

4. Schuljahr
7,2% von 30 Kindern
=  ca. 2-3 Kinder

3. Schuljahr
8,5% von 30 Kindern
=  ca. 3 Kinder

2. Schuljahr
10% von 30 Kindern
=  ca. 3 Kinder
[Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte BvKJ]

1. Schuljahr
11,8% von 30 Kindern
=  ca. 3-4 Kinder

Kindergarten
15% von 25 Kindern
=  ca. 4 Kinder

Bettnässen in Zahlen
Zahlreiche Studien der letzten Jahre belegen, dass nachts ein hoher Anteil der Kinder über fünf Jahre einnässt, und zwar etwa

  • 15% der Kindergartenkinder,
  • 10% der Siebenjährigen [Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte BvKJ],
  • 6-7% der Zehnjährigen und immerhin noch
  • 1 bis 2% der Jugendlichen [Bennet H.J., 2005].

Im Alter von 7 1/2 Jahren nässen

  • 12% weniger als einmal pro Woche ein,
  • 1% einmal pro Woche ein,
  • 3% zweimal oder häufiger pro Woche ein.

Die primäre Enuresis, das Bettnässen, kommt auch bei Erwachsenen deutlich häufiger vor, als man annimmt.

  • 1-2% aller Jugendlichen und Erwachsenen können nachts nicht trocken bleiben. Das bedeutet:
  • 10% aller Kinder, die mit 7 Jahren noch Bettnässer sind, werden dieses Problem auch im Erwachsenenalter noch haben.

Der Schweregrad der Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter
Eine Studie von Prof Yeung hat untersucht, ob der Schweregrad der Erkrankung vom Alter der Kinder abhängt. Er fand heraus, dass je älter die betroffenen Kinder oder Jugendlichen sind, die noch einnässen, umso häufiger nässen Sie nächst ein. Bei den fünf Jährigen nässen etwa 14 % jeden Tag in der Woche ein - bei den 19 Jährigen sind es 49 %. Bei den fünf Jährigen haben etwa 56 % weniger als drei nasse Nächte  während dies bei den 19 Jährigen nur 10% sind [Differences in characteristic of nocturnal enuresis between children and adolescents: a critical appraisal from a large epidemiological study. Yeung et al. BJU Int 97:1069–1073]. Auch aus diesem Grund ist eine frühzeitige Behandlung der Enuresis absolut sinnvoll.

        

Jungen und Mädchen
Die Geschlechterverteilung bei der Enuresis ist unterschiedlich.
Etwa doppelt so viele Jungen wie Mädchen sind von der Enuresis betroffen:

  • 15% bis 22% Jungen
  • 7% bis 15% Mädchen

Abwarten und Spontanheilung
Abwarten hilft nicht allen Kindern.

  • Nur eines von sieben einnässenden Kindern (ab 5 Jahre) wird jedes Jahr von allein trocken.
  • Die spontane Heilungsrate beträgt also etwa 13-15% pro Jahr.
  • Innerhalb von 3 Jahren werden 50% aller Kinder mit Enuresis von allein trocken.
  • Das bedeutet, dass die Hälfte aller 7jährigen Enuretiker mit 10 Jahren noch einnässen.

Vererbbar?
War ein Elternteil oder sind beide Elternteile ebenfalls Bettnässer, steigt die Wahrscheinlichkeit fürs Kind, auch Bettnässer zu sein. Die genetisch bedingte Wahrscheinlichkeit beträgt

 

  •  45%, wenn ein Elternteil betroffen war
    (etwa 2 von 4 Kindern einer Familie),

  •  75%, wenn Mutter und Vater betroffen waren
    (etwa 3 von 4 Kindern einer Familie).
    [von Gontard, 2001]

5 von 10 Kindern, die unter primärer Enuresis leiden, haben einen Bruder, eine Schwester oder ein Elternteil, die unter demselben Problem leiden oder litten.

Laut einer Untersuchung von Järvelin (1989) liegt das Risiko, an Enuresis zu erkranken, beim Kind um

  • 7 mal höher, wenn der Vater über das 5. Lebensjahr hinaus Enuresis hatte und
  • 5 mal höher, wenn die Mutter betroffen war.

Zwillinge
Auch in der Zwillingsforschung wurde eine hohe Übereinstimmung gerade bei eineiigen Geschwistern gefunden. In einer Studie von [Bakwin] von 1973 wurde festgestellt, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von

  • 68% eineiige Zwillinge und zu
  • 36% zweieiige Zwillinge

beide vom Bettnässen betroffen sind. Bakwin fand heraus, dass sich das Trockenwerden um 1½ Jahre verzögert, wenn mindestens zwei Verwandte ersten Grades eingenässt haben.

Enuresis und Schlaf
Wolfish untersuchte bettnässende Kinder im Schlaflabor und stellte fest:

  • Nur etwa 9% der Enuretiker waren bei einem Lärm von 120dB (das entspricht dem Lärm einer Kettensäge oder eines Presslufthammers neben dem Bett) erweckbar, im Vergleich zu 40% Nicht-Enuretikern.

ADHS und Enuresis
An der Universität von Kalifornien (Irvine Hochschule für Medizin) stellte Dr. Barry Duell fest, dass Kinder mit einer ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) häufiger an Enuresis leiden und Störungen der Darmkontrolle haben als Kinder einer Kontrollgruppe.

  • Dreimal so viele Kinder mit ADHS litten unter Bettnässen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch eine Arbeitsgruppe aus dem belgischen Gent [Baeyens et. al. 2005], wo festgestellt wurde, dass ein enuretisches Kind mit einer ADHS ein 3,17 faches Risiko hat auch nach zwei Jahren noch einzunässen, als die Kinder, die "nur" ein Einnässproblem haben. Gerade bei älteren Kindern mit Bettnässen ist von einem deutlich erhöhten Vorkommen (Prävalenz) von ADHS und Enuresis auszugehen.

Vorurteile
Ein Drittel aller Eltern mit bettnässenden Kindern glauben, dass ihre Kinder aus Faulheit und Bequemlichkeit ins Bett machen.

Enuresis und zum Arzt gehen
Weniger als die Hälfte aller Eltern, deren Kinder Bettnässer sind, gehen wegen dieses Problems zum Arzt.

Therapien werden falsch eingeschätzt
Wie eine Studie zeigt, die an der Universität Tübingen durchgeführt wurde, schätzen die meisten Eltern die Wirksamkeit von unterschiedlichen Behandlungsansätzen falsch ein. Viele Familien greifen auf Hausmittel zurück, die kaum erfolgsversprechend sind.

 


* Lt. Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ)