Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Emotionale Belastung

Bettnässen kann zu einer starken emotionalen Belastung sowohl für das Kind als auch für die Eltern bzw. die ganze Familie werden. Häufig wird die Tatsache, dass das Kind das Bett einnässt, mit großem Aufwand geheim gehalten. Dass es noch ins Bett macht, ist dem Kind sehr peinlich, und nicht selten entwickeln ganze Familien hierfür Vertuschungsstrategien, die mit großem Aufwand aufrecht erhalten werden müssen. So werden beispielsweise Übernachtungseinladungen mit der Begründung abgesagt, das Kind dürfe nicht woanders übernachten, und um die Teilnahme an Klassenfahrten zu vermeiden, werden kreative Ausreden erfunden.

Hänseln
Achten Sie darauf, dass das Kind wegen des Bettnässens nicht gehänselt wird. Hier ist besonders darauf zu achten, dass die Geschwister für die Problematik Verständnis entwickeln. Falls das Kind im Kindergarten oder in der Schule gehänselt wird, sollten Sie das Bettnässen zu einem Thema des nächsten Elternabends vorschlagen. Andere Eltern und vor allem die hänselnden Kinder sollten über die Problematik informiert werden, und die Erwachsenen sollten für eine Stimmung sorgen, in der Hänseleien nicht geduldet werden. Natürlich muss auch Ihr Kind selbst gestärkt werden, damit es sich gegen Hänseleien wehren kann.

Geringes Selbstwertgefühl
Untersuchungen haben gezeigt, dass bettnässende Kinder mit zunehmendem Alter weniger Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit haben als andere Kinder - im Allgemeinen aber nimmt das Selbstwertgefühl wieder zu, sobald das Bettnässen aufhört. Motivieren Sie daher das Kind, dass Sie gemeinsam etwas unternehmen, damit das Kind trocken werden kann.

Geringere kognitive Leistungsfähigkeit
Eine beim ICCS- (International Children's Continence Society - Internationale Gesellschaft für kindliche Inkontinenz) Jahrestreffen 2007 in Hongkong vorgestellte Studie zeigt, dass enuretische Kinder eine geringere kognitive Leistungsfähigkeit aufweisen, als nicht enuretische Kinder. Mithilfe von vier entscheidenden Tests wurden die Intelligenz, Aufmerksamkeit und Ablenkbarkeit, das Kurz- und Langzeitgedächtnis, die Lern- und Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie die Reaktionen der Kinder ausgewertet. Bettnässende Kiinder schnitten bei diesen Tests schlechter als nicht bettnässende Kinder ab, was auf eine allgemeine Störung der kognitiven Leistungsfähigkeit hinweist.

Familiäre Folgen des Bettnässens
Oft empfinden auch Eltern die Situation als peinlich, und einige Eltern schämen sich sogar für ihr Kind. Wenn ihr Bettnässen in der Familie zu Streit führt, können sich Kinder hierfür schuldig und elend fühlen.

Woanders bleiben sie trocken
Versuchen Sie, das Kind, wenn es alt genug ist, darin zu unterstützen, dass es, wie auch seine Altersgenossen, die ein oder andere Nacht ausserhäusig übernachtet. Schlagen Sie vor, dass es bei verständnisvollen Familienmitgliedern oder Freunden schlafen kann, die in die Bettnässerproblematik eingeweiht sind. Immer wieder wird berichtet, dass Kinder in einer anderen Schlafumgebung häufiger trocken bleiben. Das mag daran liegen, dass sie in einem fremden Bett weniger tief schlafen als im eigenen. Und eine trockene Nacht bei Freunden ist ermutigend

Wie sehen Kinder ihre Situation?
Der Kinderarzt und -psychiater Alexander von Gontard hat 165 einnässende Kinder nach ihren Empfindungen und Gedanken zum Einnässen befragt. Auf die Frage

  • Fühlst du dich krank?
    antworteten nur 4,2% der Kinder mit Ja. Etwa ein Drittel aller Kinder (32,1%) konnte einen Grund oder eine Erklärung für das Einnässen nennen, wobei folgende Gründe genannt wurden: Schlaftiefe (15,2%), Trinkverhalten (4,9%), Traum (4,2%), Unterbrechung einer Tätigkeit (4,2%), Blasenschwäche (3,0%), familiäre Ursachen (1,2%), Angst (0,6%) und sonstige (6,1%), wie z.B. keine Lust auf die Toilette zu gehen, weil ich ungezogen bin, weil ich krank bin, weil die Jungen mich ärgern.
  • Wer weiß, dass du einnässt?
    beantworteten 60% mit: "nur die Familie". "Einen erweiterten Kreis" nannten 31,5% und nur 8,3% gaben an, dass viele über das Einnässen Bescheid wissen.
  • Wer soll wissen, dass du einnässt?
    Die meisten Kinder wünschten keine Mitwisser - und zwar 82,9% der Mädchen und 69,7% der Jungen.
  • Weißt du, wieviele Kinder in deiner Klasse das gleiche Problem haben?
    Die meisten Kinder, nämlich 56,4%, hatten keine Vorstellung über die Häufigkeit des Einnässens. 11,5% der Kinder glaubten, dass kein weiterer Klassenkamerad einnässt, 14,5% glaubten, dass ein weiteres Kind einnässt, und nur 5,5% waren der Meinung, dass außer ihm selbst zwei oder mehr Kinder einnässen. Statistisch gesehen gibt es in einer 1. Schulklasse mit 33 Kindern etwa 5 Kinder, die nachts einnässen (und 1 Kind tagsüber).

Reaktionen der Mütter
Der Kinderarzt und -psychiater Alexander von Gontard hat 165 einnässende Kinder und deren Mütter nach ihren Reaktionen auf das Einnässen befragt und erhielt überraschende Antworten:

 

Reaktionen der Mütter

Angaben von Kindern

Angaben der Mütter

negativ

26,5%

33,3%

neutral

39,2%

51,4%

positiv

34,3%

9,5%

Hier sehen wir deutlich, dass Kinder ihre Mütter deutlich anders einschätzen als diese sich selbst. So glauben mehr als ein Drittel der Kinder, dass ihre Mütter auf das Bettnässen eher positiv reagieren, während dies aber weniger als 10% der Mütter so sehen.