Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Noelle, 4 ½ Jahre

Noelle ist 4½ Jahre alt und ein sehr aufgewecktes, schlaues Mädchen. Sie ist ein Einzelkind. Beide Eltern sind Akademiker, und die Mutter hat für das Kind ihren Beruf aufgegeben.

Noelle nässt 2-4 Mal pro Woche ein
Noelle nässt etwa 2-4 Mal pro Woche ein. Beide Eltern kommen  mit dem Kind verzweifelt zum Arzt. Sie fragen, was sie falsch gemacht haben, weil sie sehen, dass alle Freundinnen von Noelle schon lange trocken sind. Sie haben alles versucht, auch Noelle trocken zu bekommen. Sie muss jeden Abend längere Zeit auf dem Töpfchen oder der Toilette sitzen, darf ab dem späten Nachmittag kaum noch etwas trinken, und bekommt Belohnungen, wenn sie eine Nacht lang trocken bleibt.

Die Eltern finden das Einnässen problematisch
Die Mutter schimpft immer, wenn das Bett morgens nass ist, und beide Eltern finden es ziemlich eklig, wenn Noelle ins Bett einnässt. Die Mutter von Noelle kann den Uringeruch kaum noch ertragen und findet es eine Zumutung, das Bett immer frisch zu beziehen oder das Kind immer noch zu wickeln.

Noelle sagt, sie kann nichts dafür
Noelle gibt sich beim Arzt eher indifferent. Sie sagt, sie könne ja nichts dafür und würde sich bemühen, aber es klappt halt nicht. Es sei ihr auch eher egal, ob sie noch ins Bett mache.

Kein Einnässen am Tag
Der Arzt fragt, ob weitere Symptome im Zusammenhang mit den unteren Harnwegen vorliegen, ob Noelle auch tagsüber einnässt (tut sie nicht), ob sie Schmerzen beim Wasserlassen hat (hat sie nicht) oder ob es sonst irgendwelche Auffälligkeiten in diesem Zusammenhang gibt (gibt es nicht). Er untersucht das Kind, ohne eine Ursache für das Bettnässen zu finden. Die Eltern beschreiben, dass Noelle, wenn sie das Bett eingenässt hat, klatschnass ist, weil sie dann große Mengen uriniert, und sie berichten, dass Noelle einen extrem tiefen Schlaf hat.

Genetische Disposition?
Auf Nachfrage berichtet der Vater, dass auch er selbst bis zum Alter von 8 Jahren das Bett eingenässt hatte, und auch sein Bruder erst sehr spät trocken geworden ist.
Der Arzt erläutert die Möglichkeit der genetischen Disposition des Bettnässens. Er informiert darüber, wie häufig Bettnässen vorkommt, und dass es mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit keine psychischen Ursachen dafür gibt, dass Noelle einnässt. Auch Erziehungsfehler seien in der Regel nicht die Ursache für eine primäre Enuresis.

Praktische Tipps
Der Arzt gibt den Eltern einige Tipps, wie sie besser mit dem Problem fertig werden können - u.a. dass sie eine wasserfeste Betteinlage verwenden können, und dass sie Noelle keinesfalls für das Einnässen bestrafen sollten.

Noelles Puppe kann helfen
Noelle rät er, sie solle ihre Lieblingspuppe bitten, ihr zu helfen. Sie soll die Puppe unters Kopfkissen legen und die Puppe bitten sie nachts zu wecken, wenn die Blase voll ist.

Therapie ab dem vollendeten 5. Lebensjahr
Der Arzt informiert darüber, dass etwa 15% der betroffenen Kinder in Noelles Alter innerhalb eines Jahres von allein trocken werden. Und er rät dazu, mit größtmöglicher Gelassenheit noch abzuwarten, bis Noelle 5 Jahre alt wird. Aufgrund der genetischen Disposition und der Tatsache, dass Noelle sehr tief schläft und große Mengen einnässt, erläutert er den Eltern die Möglichkeit einer Desmopressintherapie, die ab dem Alter von 5 Jahren sinnvoll sein kann.

Eltern und Kind sind entlastet
Das Gespräch hat den Eltern, die offensichtlich zwischen Schuldgefühlen und Überforderung gelitten haben, deutlich gemacht, dass das Bettnäss-Problem auch viele andere Kinder betrifft, dass weder sie selbst noch Noelle Schuld sind. Sie fühlen sich jetzt nicht mehr so allein und sind, weil sie nun wissen, dass es ggf. eine gute Therapie gibt, auch guter Hoffnung, dass sich das Problem möglicherweise von allein erledigt.