Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten

Klara, 10 Jahre

Klara ist 10 Jahre alt. Sie macht etwa 4 mal pro Woche nachts das Bett nass. Sie kann sich nicht erinnern, dass sie jemals trocken war. Klara ist es furchtbar peinlich, dass sie nachts noch ins Bett macht. Nur Klaras beste Freundin, ihre beiden ebenfalls bettnässenden Cousinen und die Großeltern wissen Bescheid. Auf Befragen antwortet Klara, dass sie außer den beiden Cousinen niemanden kennt, der auch ins Bett macht, und dass sie glaubt, dass sie weit und breit das einzige Kind in diesem Alter ist, das noch nicht trocken ist. Nun trägt Klara seit etwa 3 Jahren nachts wieder Windeln. Das ist unangenehm, aber es ist besser, als jeden Morgen in einem schwimmenden Bett aufzuwachen.

10 Jahre alt und Nachts noch nass
Da die Umschulung ins Gymnasium ansteht, hat Klara die Nase voll. Sie wird zunehmend richtiggehend wütend auf sich und alles andere und beginnt ihre Wut und Trauer in sich hineinzufressen. Sie geht abends nicht mehr gern ins Bett, und wenn morgens die Windel nass ist, ist sie schlecht gelaunt und grantig. Erst als sie ihren Eltern erzählt, dass sie sich gar nicht auf die neue Schule freut, gab das den Anlass, den Kinderarzt um Hilfe zu bitten.

Untersuchung beim Arzt
Klaras Mutter vereinbart einen Termin beim Kinderarzt und erhält von der Sprechstundenhilfe ein Blasentagebuch, welches sie ausfüllen und beim Untersuchungstermin mitbringen sollt. Beim Arztbesuch ist Klara vor allem überrascht, dass es dem Arzt keineswegs peinlich ist, über das Bettnässen zu sprechen. Der Arzt stellt viele Fragen und untersucht Klara dann. Anschließend meint er, dass Klara bis auf das Bettnässen nicht weiter krank sei.

Sonne/Wolken-Kalender
Er schlägt vor, dass Klara erst einmal zwei Wochen lang einen eigenen Kalender, den Sonne/Wolken-Kalender, führen soll, damit sie selbst beobachten kann, wie häufig sie tatsächlich ins Bett macht. Er gibt ihr einen entsprechenden Vordruck mit und Klaras Mutter kauft ihr noch einen neuen Kasten mit wunderschönen Buntstiften. Am nächsten Tag beginnt Klara mit ihrem Kalender. Die ersten drei Tage sind deprimierend. Sie malt nur graue Wolken. Der vierte Tag aber ist wunderbar sonnig - sie wacht im trockenen Bett auf und malt eine sehr schöne Sonne. Auch die nächsten beiden Tage bleibt sie trocken und ist sehr glücklich. Dann kommt aber leider noch mal ein Wolkentag. Beim nächsten Besuch beim Arzt, zeigt Klara den Kalender, sagt aber auch, sie willl nun endlich trocken werden.

Ein Therapieversuch mit Desmopressin
Der Arzt empfiehlt eine medikamentöse Therapie mit Desmopressin  und erläutert, wie das Medikament einzunehmen ist und worauf Klara und ihre Eltern achten müssen.
Der nächste Arztbesuch wird für in 14 Tagen vereinbart. Klara soll ihren Sonne/Wolken-Kalender weiter führen und dann mitbringen. Beim nächsten Arztbesuch berichtet Klara, dass sie kaum noch einnässt, die Wolkentage werden immer seltener. Die Therapie mit Desmopressin wird noch 10 Wochen lang fortgesetzt, dann beginnt man mit dem langsamen Absetzen des Medikamentes nach dem Ausschleichplan von Dr. Marschall-Kehrel. Nach drei Monaten ist Klara zuverlässig trocken. Der Kalender bleibt nun freundlich hellgelb, und Klara freut sich nun schon sehr auf die Klassenfahrt.