Initiative Trockene Nacht - Guter Tag - Rat und Hilfe für Bettnässer und Enuresis-Patienten
ForenServiceArztsuchePresseÜber uns

Bettnässen: Definition der Enuresis

Unter Enuresis versteht man das Bettnässen bzw. das Einnässen im Schlaf nach Vollendung des 5. Lebensjahres, d.h. in einem Alter, in dem der psychische und physiologische Reifungsgrad bei über 9 von 10 Kindern eine willkürliche Blasenkontrolle möglich macht.

Enuresis = eine behandlungsbedürftige Erkrankung
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert das Bettnässen, also die Enuresis, als behandlungsbedürftige Erkrankung. Diese Einordnung der Enuresis als kindliche Erkrankung ist ein wichtiger Schritt in Richtung Aufklärung und Behandlung, statt Tabuisierung und Ignoranz.

Terminologie
Um die Bezeichnungen der Störungen und Erkrankungen rund um den unteren Harntrakt zu vereinheitlichen, hat sich die ICCS (International Children's Continence Society, die Internationale Gesellschaft für kindliche Inkontinenz) in einem Standardisierungskommitee auf eine Terminologie geeinigt, auf die wir uns hier beziehen. [The standardisation of terminology of lower urinary tract function: report from the Standardisation Sub-committee of the International Continence Society, 2006]

Enuresis = Bettnässen
Enuresis ist ein Synonym für die so genannte intermittierende nächtliche Inkontinenz. Als Enuresis oder Bettnässen bezeichnet man das nächtliche Einnässen während des Schlafes, wenn folgende Kriterien alle erfüllt sind:

  • das Kind ist mindestens fünf Jahre alt;
  • es nässt an mindestens zwei Nächten im Monat ein;
  • organische Grunderkrankungen und
  • medizinische Ursachen wurden ausgeschlossen.

Die beiden Fachgesellschaften die EAU (European Association of Urologie und die ESPU (European Society for Paediatric Urology) sowie die Deutsche Enuresis-Akademie e.V. schlagen, um Missverständnisse zu vermeiden, eine einheitliche Terminologie vor.

So soll in Zukunft weder der Begriff „Enuresis diurna“ noch auch der Begriff „Enuresis nocturna“ verwendet werden. Statt dessen soll in Zukunft der Begriff Enuresis nur noch für die nächtliche Inkontinenz verwendet werden.

Beim nächtlichen Einnässen handelt es sich häufig um eine genetisch bedingte Reifungsstörung des zentralen Nervensystems. Häufig ist dann die hormonelle Regulation des Antidiuretischen Hormons (ADH = Vasopressin) gestört, die den Wasserhaushalt im Körper steuert. Meist ist dann auch das Zusammenspiel zwischen Blasenkontrolle und der Schlaftiefe unterentwickelt.

Einnässen auch am Tag
Nicht selten haben Kinder, die nachts einnässen, auch am Tag Probleme, trocken zu bleiben. Bei Kindern, die auch tagsüber einnässen, beobachtet man häufig, dass sie selten zur Toilette gehen und den Urin absichtlich zurückhalten. Bei dem so genannten Miktionsaufschub handelt es sich fast immer um eine verhaltens- oder psychogen bedingte Störung.
Es gibt Kinder, bei denen der Harnfluss unterbrochen ist. Bei der so genannten Dyskoordination handelt es sich häufig um ein (falsch) erlerntes Verhalten.
Kinder, die auch tagsüber einnässen - und das gilt auch, wenn der Schlüpfer nur feucht ist - müssen häufig ganz plötzlich auf die Toilette. Dies nennt man Dranginkontinenz und das Phänomen heisst bei den Medizinern Urgency.
Falls das Kind auch oder nur tagsüber einnässt oder Symptome zeigt wie häufiges Wasserlassen, Haltemanöver, Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen, kann dies möglicherweise an einem Harnwegsinfekt liegen oder an Anomalien des Harntraktes. Nässt das Kind tagsüber ein und sind die oben genannten Symptome zu beobachten, ist ein Arztbesuch dringend angeraten.

Enuresis-Formen
Man unterscheidet verschiedene Formen der Enuresis:

  • Primäre Enuresis
  • Sekundäre Enuresis

Primäre Enuresis
Als primäre Enuresis bezeichnet man ein von Geburt an bestehendes nächtliches Einnässen ohne längere trockene Phase. Meist sind Kinder mit einer primären Enuresis ab dem fünften Lebensjahr tagsüber trocken und nässen "nur" nachts ein. Eine primäre Enuresis ist häufig gekennzeichnet durch ein oder mehrere der folgenden Symptome:

  • sehr tiefer Schlaf
  • schwere Erweckbarkeit bei normalem Schlafverhalten
  • häufiges nächtliches Einnässen (Polyurie)
  • häufiges nächtliches Einnässen mit großen Urinmengen
  • kein Einnässen während des Tages
  • seltene psychische Begleitsymptome
  • nie zuvor länger als 6 Monate trocken gewesen
  • keine organischen Missbildungen
  • kein Vorliegen einer Harnwegsinfektion

Die primäre Enuresis unterscheidet sich in

  • primäre monosymptomatische Enuresis (PME) und
  • primäre nonmonosymptomatische Enuresis

um deutlich zu machen, ob außer der primären Enuresis weitere krankhaften Symptome des unteren Harntraktes vorliegen. Bei der monosymptomatischen Enuresis liegen außer den Symptomen für die Enuresis keine weitere Symptomatik oder Erkrankung vor, während bei der nonmonosymptomatischen Enuresis noch weitere Symptome oder Erkrankungen des unteren Harntraktes festgestellt wurden.

Sekundäre Enuresis
Als sekundäre Enuresis wird ein neuerliches nächtliches Einnässen nach einer vorangegangenen mindestens 6-monatigen trockenen Phase bezeichnet. Häufig liegen bei der sekundären Enuresis psychische Ursachen vor oder eine urologische Erkrankung. Als psychische Ursachen beim sekundären Einnässen finden sich häufig belastende Lebensereignisse wie Verlust eines Familienmitgliedes, Scheidung der Eltern oder die Geburt eines Geschwisterkindes. Aber auch besonderer Stress in der Schule oder ähnliche Ereignisse können Auslöser dafür sein, dass Kinder nach einer längeren trockenen Phase tags oder/und nachts wieder einnässen.